Der Schwierige

Im Zentrum des Repertoires angekommen, aber kaum zu greifen: Leos Janácek in Kassel, Hannover und Berlin

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Merkwürdig – vielleicht beschreibt dieses abgenutzte Kompositum seine Aura am treffendsten. Die Vita und die Kunst eines Mannes, der im Puls seiner Heimat, der mährischen Provinz an der Grenze zur Slowakei, die Umrisse einer neuen Musik entdeckte. Merkwürdig im Wortsinn ist nicht nur das an schrulligen Wendungen reiche Leben des unsteten Einzelgängers, der oft Mühe hatte, Fantasie und Realität voneinander zu scheiden.

In den tragischen Protagonistinnen seiner Opern «Jenufa», «Katja Kabanova» und «Die Sache Makropulos» zum Beispiel sah er leibhaftige Bilder jener Frauen, die ihn in der Wirklichkeit faszinierten – besonders die zur Über-Muse stilisierte Altersliebe Kamila Stösslová, die er mit mehr als siebenhundert Briefen umwarb, ohne sie je für sich «erobern» zu können. Merkwürdig ist aber vor allem der in seinem Œuvre, zumal in den Bühnenwerken, geronnene atemlose Esprit einer Tonsprache, die radikal mit dem klassisch-romantischen Modell themengebundener Entwicklungsarbeit bricht und die doch, wenn man etwa an den immer wieder variierten Topos des Liebestodes denkt, vom Geist des späten 19. Jahrhunderts durchdrungen bleibt.
Leos Janácek, 1854 geboren (vier ­Jahre vor Puccini und ...

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Opernwelt April 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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