Der Sadist spielt Flöte
Ein historischer Hammerflügel nebst hölzernem Notenständer und zwei Biedermeierstühlen in goldbraunem Nussbaum zieren den Palazzo Farnese, wie ihn Dieter Richter in ausdrücklicher Nähe zum römischen Original auf die Bühne des Theater Lübeck gewuchtet hat.
Das Wandbild ist zwar nicht der antiken Mythologie entliehen, wie im heute als Französische Botschaft genutzten Prachtbau im Stadtteil Regola des Centro storico der Ewigen Stadt; doch auch der gekreuzigte bärtige alte Mann, in dem man den Apostel und Kirchengründer Petrus (oder aber dessen Bruder Andreas) in einem Caravaggio nachahmenden Chiaroscuro erkennen kann, fügt sich harmonisch in diesen imposanten Innenraum. Hier also treibt der Polizeichef von Rom sein Unwesen und lässt die politischen Gegner foltern. Allerdings ist Baron Scarpia in der Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf durchaus auch ein Freund der Musen. Und wie weiland Friedrich der Große greift er selbst zur Querflöte, als die Siegesfeier seiner (Napoleon vermeintlich in die Knie zwingenden) Konterrevolutionäre mit einer Kantate umflort wird, in der eine gewisse Operndiva namens Floria Tosca den Solopart gibt. Als die kühne Sängerin dann vor ihrer dem ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Peter Krause
Wenn jemand 24 Jahre an einem rund siebzigminütigen Werk arbeitet, dann wird das Gründe haben. Im Fall von Hanns Eislers «Deutscher Symphonie» hat das auch mit dem mehrfachen Nichtzustandekommen einer geplanten Uraufführung zu tun. Der Komponist irrte bekanntlich – überall aneckend – durch mehrere politische Systeme, war im Dritten Reich verfemt, im US-Exil als...
Es begann 2004, als Thomas Hampson beim «Heidelberger Frühling» mit Mahlers «Wunderhorn»-Liedern debütierte und man sich daran erinnerte, dass Achim von Arnim und Clemens Brentano die Texte für ihre erste Ausgabe ausgerechnet in der Stadt am Neckar gesammelt hatten. Der 200. Jahrestag bot den willkommenen Anlass für erste Meisterkurse mit dem US-amerikanischen...
Das Diaghilev-Festival in Perm steht unter dem unerbittlichen Zwang, sich stets an der eigenen Vergangenheit messen zu lassen. Besucher wie Akteure zehren von Erinnerungen: Die Nostalgie an jene Blütezeit ist noch allgegenwärtig, als man auf den Straßen Romeo Castellucci, Robert Wilson oder Gerard Mortier begegnete und Perm – durchaus berechtigt – den Status als...
