Der Sadist spielt Flöte

Dietrich W. Hilsdorf erzählt Puccinis «Tosca» in Lübeck mit filmischer Genauigkeit, Stefan Vladar schärft die Modernismen der Partitur

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Ein historischer Hammerflügel nebst hölzernem Notenständer und zwei Biedermeierstühlen in goldbraunem Nussbaum zieren den Palazzo Farnese, wie ihn Dieter Richter in ausdrücklicher Nähe zum römischen Original auf die Bühne des Theater Lübeck gewuchtet hat.

Das Wandbild ist zwar nicht der antiken Mythologie entliehen, wie im heute als Französische Botschaft genutzten Prachtbau im Stadtteil Regola des Centro storico der Ewigen Stadt; doch auch der gekreuzigte bärtige alte Mann, in dem man den Apostel und Kirchengründer Petrus (oder aber dessen Bruder Andreas) in einem Caravaggio nachahmenden Chiaroscuro erkennen kann, fügt sich harmonisch in diesen imposanten Innenraum. Hier also treibt der Polizeichef von Rom sein Unwesen und lässt die politischen Gegner foltern. Allerdings ist Baron Scarpia in der Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf durchaus auch ein Freund der Musen. Und wie weiland Friedrich der Große greift er selbst zur Querflöte, als die Siegesfeier seiner (Napoleon vermeintlich in die Knie zwingenden) Konterrevolutionäre mit einer Kantate umflort wird, in der eine gewisse Operndiva namens Floria Tosca den Solopart gibt. Als die kühne Sängerin dann vor ihrer dem ...

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Opernwelt August 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Peter Krause

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