Der letzte Mohikaner
Vor vielen Jahren erregten zwei steile Kritiker-Sätze einigen Unmut: «Erst wenn meine Rezension erschienen ist, hat die Sache überhaupt stattgefunden.» Und: «Es gibt in einem Artikel nur eine wirklich wichtige Information: der Name des Autors.» Der diagnostische Bannfluch folgte prompt: eitle Hybris. Ganz falsch war das natürlich nicht – aber auch nicht unbedingt richtig.
Denn zum wichtigen Kritiker gehört die offizielle Funktion als Instanz: Sachkenntnis, Urteilsvermögen wie Wertungslust, Unabhängigkeit, eloquente «Schreibe», Tragkraft wie Reichweite des Mediums – all das gehört zum Bild vom Meinungsführer, Kunst-Richter, ja «Kritiker-Papst».
Aber es gibt auch das Negativ: «Schlagt ihn tot, den Hund, es ist ein Rezensent», heißt es bei Goethe, allerdings über einen Essens-, nicht Kunst-Quengler. Der Beckmesser der «Meistersinger» war böse Spitze gegen den (übrigens unterschätzten) Eduard Hanslick. Und im «Abschied» von Hugo Wolfs Mörike-Liedern wird der «Kritikaster» genüsslich die Treppe hinabgestoßen – was wenig verwundert, war Wolf bei seinen Brahms-Attacken doch gewiss nicht zimperlich. Das Image des Kritikers schwankt also zwischen Leuchtturm und Scheusal. Keine Frage, den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Gerhard R. Koch
alpha
02.07. – 11.00 Uhr
Gergiev dirigiert Schostakowitsch
Im Rahmen der großen Retrospektive der Werke von Dmitri Schostakowitsch (1906-1975), die alle 15 Symphonien und sechs Instrumentalkonzerte sowie ein dokumentarisches Porträt von Reiner E. Moritz umfasst.
arte
02.07. – 18.25 Uhr
Juan Diego Flórez & Friends in Concert for Sinfonía por El Perú
Der Startenor...
Manchmal dokumentieren DVD-Mitschnitte aus großen Häusern, dass dort auch nur mit Wasser gekocht wird – wie in der Provinz. Etwa wenn es um Verdi geht. Erstes Beispiel: «I due Foscari» am Royal Opera House in London. Ein finsteres Kammerspiel machtpolitischer Ränke, mit dem Verdi die Choropern seiner Anfänge endgültig hinter sich ließ. Thaddeus Strassberger...
Zu einem Auftritt an der Met habe ich’s nie gebracht. Ich glaube auch kaum, dass es noch dazu kommt. Macht nichts; wahrscheinlich kämen wir, die Met und ich, ohnehin nicht miteinander aus. Ich habe mir da das eine oder andere angesehen: Stets schien mir das Publikum sehr betagt und konservativ. Wer nicht schon nach ein paar Takten selig schlummerte, beschwerte sich...
