Der letzte Mohikaner
Vor vielen Jahren erregten zwei steile Kritiker-Sätze einigen Unmut: «Erst wenn meine Rezension erschienen ist, hat die Sache überhaupt stattgefunden.» Und: «Es gibt in einem Artikel nur eine wirklich wichtige Information: der Name des Autors.» Der diagnostische Bannfluch folgte prompt: eitle Hybris. Ganz falsch war das natürlich nicht – aber auch nicht unbedingt richtig.
Denn zum wichtigen Kritiker gehört die offizielle Funktion als Instanz: Sachkenntnis, Urteilsvermögen wie Wertungslust, Unabhängigkeit, eloquente «Schreibe», Tragkraft wie Reichweite des Mediums – all das gehört zum Bild vom Meinungsführer, Kunst-Richter, ja «Kritiker-Papst».
Aber es gibt auch das Negativ: «Schlagt ihn tot, den Hund, es ist ein Rezensent», heißt es bei Goethe, allerdings über einen Essens-, nicht Kunst-Quengler. Der Beckmesser der «Meistersinger» war böse Spitze gegen den (übrigens unterschätzten) Eduard Hanslick. Und im «Abschied» von Hugo Wolfs Mörike-Liedern wird der «Kritikaster» genüsslich die Treppe hinabgestoßen – was wenig verwundert, war Wolf bei seinen Brahms-Attacken doch gewiss nicht zimperlich. Das Image des Kritikers schwankt also zwischen Leuchtturm und Scheusal. Keine Frage, den ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Gerhard R. Koch
Ein Markenzeichen des 1977 von Gian Carlo Menotti gegründeten US-Ablegers des Spoleto Festivals ist die Spannweite seines Programms. Neben Mainstream-Stücken werden jedes Jahr Trouvaillen aus vorklassischer Zeit und Musik der Gegenwart geboten. In der vorletzten Saison etwa präsentierte man Francesco Cavallis «Veremonda» und ein druckfrisches Opus des chinesischen...
Wenn das Land nach Dauerregen vom Sommer erfasst wird, treiben Englands Gärten aus wie kleine Tropenwälder. Saftig leuchtet Glyndebournes gestreifter Rasen. Jenseits des Ha-Has üben halbwüchsige Lämmer Bocksprünge, während im Kamin des Organ Rooms die Tauben gurren: Der Landsitz der Christies zeigt sich für Cavallis «Hipermestra» von seiner schönsten Seite.
Zwisch...
Das Kreischen der U-Bahn? Einfach ausgeblendet. Intime Unterhaltungen verschwitzter Fremder? Weg. Auf Knopfdruck verwandelt sich die Höllen-Soundscape in weise Worte. Oder Stille. Oder zu Janáček – was sich die jungen Leute eben so auf die Ohren knallen. Natürlich können längst auch viele dasselbe hören, kabellose Übertragungstechnik macht’s möglich. So lassen sich...
