Grober Unfug
«Ariadne auf Naxos», jene «kleine Zwischenarbeit» des Erfolgsduos Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal nach dem «Rosenkavalier» und vor der «Frau ohne Schatten», hat es in sich. Denn im Grunde handelt sie in der Theater-auf-dem-Theater-Situation von genau jenem Problem, mit dem jeder Regisseur des Werks ganz real zu ringen hat: der Gleichzeitigkeit von ernster Oper und Buffa-Heiterkeit. Zumal dem heiklen Spiel mit Brechungen qua Rahmenhandlung eine weitere Ebene eingezogen ist. Gefragt sind Geschmack, klare Gewichtung sowie sicheres Gespür für ironische Zwischentöne.
Kein Regiebeil.
Joan Anton Rechi enttäuscht mit seiner krachledernen Aachener Deutung umso mehr, als er kürzlich in Duisburg eine klug durchdachte, feinsinnig mit den Klischees spielende «Madama Butterfly» inszeniert hat. Stur beharrt er auf der deftigen Buffa, in der gefühlt alle drei Sekunden die fünf Türen von Alfons Flores’ dreieckigem Einheitsbühnenraum – eine Art Vorzimmer anscheinend – klappern, Damenröcke in Herren-Hosen-Reißverschlüssen klemmen und die Auftritte der Ariadne, der Nymphen und des Bacchus nur platteste Parodie bereithalten.
Dabei fängt der Abend gut, mit kritischen Untertönen an: Der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Regine Müller
JUBILARE
Vladimir Davidovitch Ashkenazy wurde 1937 im russischen Gorki, dem heutigen Nischni Nowgorod, geboren. Sein Talent wurde früh entdeckt: Mit sechs Jahren begann er Klavier zu spielen, als Absolvent des Moskauer Konservatoriums gewann er 1955 beim Chopin-Wettbewerb in Warschau den zweiten Preis. Ein Jahr später siegte er beim Wettbewerb Reine Elisabeth in...
Die Fahnen vor der Oper Halle sprechen eine poetische Sprache: «Alles brennt» steht da, schwarz auf weißem Grund, und »Alles träumt». Verkürzt drückt sich hier der Wille zum Neuanfang aus: Wir wollen dieses Haus zu einem Ort des gesellschaftlichen Diskurses, der Fantasien, der Utopien machen – Widerspruch inbegriffen. Damit haben sich Intendant Florian Lutz und...
Wie man heute noch Opern schreibt – darauf gibt Aribert Reimann seit 50 Jahren seine eigene Antwort. Zum postmodernen Musiktheater Hans Werner Henzes hält er die gleiche Distanz wie zu den Konzepten der Avantgarde. Reimann verteidigt eine Position des Personalstils, wie sie im Musiktheater um 1900, bei Debussy, Janáček oder Schönberg, eine kurze Blüte erlebte.
Was...
