Der Kongress tanzt
Kakanien, versunkenes Riesenreich. Wie es war, wie es vielleicht noch sein könnte, wäre es nicht 1918 in den Ruhestand versetzt worden, darüber gibt uns Robert Musil, einer der größten Literaten des 20.
Jahrhunderts, äußerst beredtblümerant (und mit dem inhärenten Subjektivismus des phantasiebegabten Schriftstellers) Auskunft: «So oft man in der Fremde an dieses Land dachte», lesen wir in Musils unvollendetem opus magnum «Der Mann ohne Eigenschaften», «schwebte vor den Augen die Erinnerung an die weißen, breiten wohlhabenden Straßen aus der Zeit der Fußmärsche und Extraposten, die es nach allen Richtungen wie Flüsse der Ordnung, wie Bände aus hellem Soldatenzwillich durchzogen und die Länder mit dem papierweißen Arm der Verwaltung umschlangen». Wie weit sich Kakanien dehnte, nach Osten und Westen, nach Süden und Norden, auch das beschreibt der Romancier in der ihm eigenen Poetik: «Gletscher und Meer, Karst und böhmische Kornfelder gab es dort, Nächte an der Adria, zirpend von Grillenunruhe und slowakische Dörfer, wo der Rauch aus den Kaminen wie aus aufgestülpten Nasenlöchern stieg und das Dorf zwischen zwei kleinen Hügeln kauerte, als hätte die Erde ein wenig die Lippen geöffnet, ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Jan Verheyen
Die Vorstellung ist wirklich zu schön, um wahr zu sein: «Mann und Weib und Weib und Mann / reichen an die Gottheit an.» Schon in der Bibel, wo der Herr im Himmel bekanntermaßen eine führende Rolle spielte, taten sich viele Jahrhunderte zuvor erhebliche Zweifel an Schikaneders anachronistischem Liebeskonzept auf; bei Matthäus 5, 28 finden wir sowohl den konkreten...
Im vergangenen Februar wurde die Produktion nochmals dem Fundus entrissen. Für Tenorissimo Michael Spyres, der an der Donau seinen ersten Florestan sang – malerisch zerlumpt, wie es in Otto Schenks Regie-Oldtimer so Sitte war. Wobei Regie: Von diesem «Fidelio» war ohnehin nur noch die Kulissenhülle eines Günther Schneider-Siemssen übrig. 55 Jahre hatte die...
WARSCHAU: Il barbiere di Siviglia
Ach ja, die Liebe. Wo sie hörbar hinplumpst, bleibt sie liegen (nicht immer, aber meistens), und wer ihr verfallen ist, lässt sich auch durch rationale Argumente nicht mehr zur Vernunft bringen. Und wer wüsste das besser als Berta, Bartolos schon leicht angegraute Gouvernante, die das brummende Brunftgeräusch, wiewohl sie es seit...
