Der Klage Klang

Wagner: Tristan und Isolde am Theater Genf

Opernwelt - Logo

Das Solo des Englischhorns tönt hier so hell, klar und schlank aus dem Graben, als wolle es das «Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande» hervorrufen. Doch keine Pastoral-Idylle einer nie geschriebenen zweiten Oper Ludwig van Beethovens wird von diesem imaginären, Schalmei blasenden Hirten im dritten Aufzug mit Klängen gemalt.

Tristan identifiziert die «alte ernste Weise» in einer veritablen Wagner-Alliteration mit der «Klage Klang»: Gar «sehnsuchtsbang» tönt sie dem der Welt abhanden gekommenen Helden, «durch Abendwehen drang sie bang, als einst dem Kind des Vaters Tod verkündet». Unendliche Einsamkeit und Trostlosigkeit liegt in dieser weit ausgesponnenen Melodie, die von der Regression des Nachtgeweihten kündet, den es in der Stunde seines Todes in den Mutterleib zurückzuziehen scheint.

Nicht so in der Premiere von «Tristan und Isolde» am Grand Théâtre de Genève. Denn das Orchestre de la Suisse Romande geht diese Musik genuin französisch an, flüssig im Tempo, kammermusikalisch fein austariert im polyphonen Geflecht, kurz: luzide und lukullisch. Die vielen schönen Stellen lassen an Strauss denken. Marc Albrecht treibt die Tempi mitunter auch derart sportlich an, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2024
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Nahe bei Black Rider

Dieser Fürst der Finsternis ist ein schamloser Charmeur. Zum Liebesspiel verführt er so gewandt wie zum Würfelspiel und zur Schwarzen Magie, dank der sich treffsichere Freikugeln gießen lassen. Davon und von weiteren Winkelzügen des Zufalls weiß sein Knecht Kaspar ein Lied zu singen (dämonisch prägnant: Seungweon Lee). Zu einem veritablen Mephisto mutiert dieser...

Alles für die Macht

Es ist immer spannend, inwiefern Eröffnungsstücke ehrliche Intendanz-Versprechen für folgende Spielzeiten abgeben. Lothar Krauses Start mit Monteverdis 1642 für den venezianischen Karneval komponierter «L’incoronazione di Poppea» in der Einrichtung von Ernst Krenek verstand sich keineswegs als Opposition gegen die historisch informierte Aufführungspraxis, sondern...

TV, Streams, Kino 11/24

arte
03.11. – 17.40 Uhr
Das Requiem von Fauré im Pariser Panthéon
Ein besonderer Ort für ein besonderes Konzerterlebnis: Das Panthéon bildet die beeindruckende Kulisse für Gabriel Faurés Meisterwerk «Le Requiem», aufgeführt vom Orchestre de Chambre de Paris unter der Leitung von Thomas Hengelbrock. Es ist das erste Konzert des Dirigenten in seinem Amt als...