Wege durchs Labyrinth
Gespräch in einem Bayreuther Wirtsgarten. «Der wos do singt, der führt aa Regie», weiß eine schon betagte Dame, die sich zu einem ungefähr gleichaltrigen Paar an einen Tisch gesellt hat. Tiefen Eindruck erzielt sie mit der Aussage nicht. Die Dame ihr gegenüber schweigt, der Herr erwidert in lakonischem Bayreuther Dialekt: «Dees is mir worschd, mich wer’n die doo ned sehng …» Auch so kann man über das Bayreuth Baroque Opera Festival urteilen.
Es ist vielleicht nicht ungewöhnlich für ein gewisses latentes Fremdeln der einheimischen Bevölkerung mit ihren Kulturgrößen.
An Wagner hat man sich nolens volens gewöhnt über all die Jahrzehnte. Aber dass das mittlerweile zum UNESCO-Welterbe erhobene Opernhaus der Markgräfin Wilhelmine nun auch Schauplatz eines weiteren internationalen Festivals ist, scheint auch im fünften Jahr von dessen Bestehen noch kontrovers diskutiert zu werden. Selbst im Stadtrat sähe eine – glücklicherweise – Minderheit die derzeit rund 300.000 Euro städtischen Zuschüsse bei einem Festival-Gesamtetat von rund zwei Millionen Euro lieber anderswo angelegt …
Gleichviel: Das elftägige Festival, das sich keineswegs auf den Schauplatz Markgräfliches Opernhaus beschränkt, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Alexander Dick
Einen «märkischen Hamlet» nannte Hans Werner Henze den Prinzen Friedrich von Homburg und fasste damit auf seine Weise den ganz eigentümlichen Charakter von Kleists Bühnenfigur zusammen: sensibel bis an die Grenze zur Lebensuntauglichkeit, umgeben aber von einem Preußentum, das nach absolut verlässlicher Funktion verlangt. Ein Träumer und Empfindsamer ist dieser...
Da sitzen sie also, die beiden Alten, am Ende der «Götterdämmerung», jeweils an den Stirnseiten der langen Tafel, einem Kernrequisit des neuen Basler «Rings». Zwischen ihnen nur der verfluchte Reif. So nicht alles täuscht, hat die Regie jenen letzten Ausruf in der Tetralogie «Zurück vom Ring» zuvor nicht Hagen, sondern Wotan singen lassen. Will heißen: Keiner hat...
Frau Teige, wie ist es, Teil der Bayreuther Kult-Crew im «Tannhäuser» zu sein?
Ich glaube, das ist wohl nicht nur die gegenwärtig populärste, sondern zugleich die beste Produktion, die derzeit in Bayreuth läuft. Und sie wird Jahr für Jahr weiterentwickelt. Als ich 2023 erstmals dabei war und die Proben starteten, hatte ich großen Respekt davor. Das übte Druck aus....
