Der Duft von Freiheit

Mozart: Don Giovanni im Staatenhaus Köln

Opernwelt - Logo

Unter Mozarts Da-Ponte-Opern gibt der «Don Giovanni» die größten Rätsel auf. Schon die Bezeichnung Dramma giocoso evoziert jene gespannte Ambivalenz, zwischen der das Stück quasi in der Luft zu hängen scheint. Andererseits bietet die Stellung zwischen Komödien-Himmel und Drama-Hölle ausreichend Raum für exzessive Experimente. Bereits in den 1980er-Jahren verlegte Peter Sellars die Geschichte des nimmersatten Verführers in das Harlem der Gegenwart: ein Kniff, der das Personal näher an heutige Lebenswelten heranrückte.

Der erratischen Ferne der Titelfigur konnte das jedoch nichts anhaben. Obwohl diese noch heute von dämonisierenden romantischen Lesarten geprägt ist, wird Don Giovanni in aktuellen Inszenierungen wahlweise als Leerstelle (und damit als Spiegel für das Begehren der anderen) oder als triebgesteuerter Normalo ohne besondere Reize gezeigt.

Im Programmheft zur Kölner Neuproduktion ist nun zu lesen, Cecilia Ligorio würde den Mythos «auf eine heutige Art und Weise aus weiblicher Sicht» hinterfragen. Bei dieser Regisseurin ist Don Giovanni ein äußerst attraktiver Mann: sportlich, charmant, schlagfertig. Ein Libertin, schillernd und gefährlich anmaßend wie einst John Malkovich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Unendlicher Reichtum

Jean-Baptiste Lullys 1674 in Paris uraufgeführte «Alceste» nimmt in der Geschichte der französischen Oper eine Schlüsselstellung ein. Es war die erste in der von Lully und seinem Librettisten Philippe Quinault erfundenen neuen Gattung der «in Musik gesetzten Tragödie», die mit dem antiken Vorbild in Konkurrenz trat. Von der «Alkestis» des Euripides ist freilich...

Versehrte Seelen

Im Kopf des jungen Mannes herrscht ein Riesen-Durcheinander. Seine gesamte Identität schwankt bedenklich, das Dasein erscheint ihm wie ein einziges Paradoxon. Auf der einen Seite fühlt sich Lisandro Vega, den sie alle nur Eisejuaz nennen, verbunden mit jenem indigenen Stamm aus dem Norden Argentiniens, als dessen Mitglied er aufgewachsen ist, auf der anderen prägt...

Editorial Opernwelt 5/25

Mangelnde Aktualität: Das war einer der stärksten Vorwürfe, denen sich die Gattung Oper in den vergangenen Jahrzehnten ausgesetzt sah. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Existenz des Musiktheaters als kultureller Selbstzweck immer mehr in Frage gestellt wurde, ging es plötzlich darum, was die Oper denn überhaupt «bringe»: was genau ihre Stoffe vermitteln könnten,...