Der braune Klang
Wer Musik unpolitisch nennt, hat meistens etwas zu verbergen. Wie könnte sich der Bürger auch der pólis entziehen? Vieles wurde unter den Teppich gekehrt, was die Wissenschaft wieder ans Licht bringen kann. Ein weites Betätigungsfeld für junge Forscher, das 1968 ff. schon einmal Konjunktur hatte und jetzt als Massenphänomen eine Renaissance erlebt. Der Hamburger von Bockel Verlag gehörte mit seiner in den frühen neunziger Jahren gestarteten Schriftenreihe zur Musik im NS-Staat zu den Trendsettern. Nun sind zwei weitere lesenswerte Bände erschienen.
Boris von Hakens Berliner Dissertation «Der ‹Reichsdramaturg›. Rainer Schlösser und die Musiktheater-Politik der NS-Zeit» dürfte vor allem für Wissenschaftler hilfreich sein. Von Haken arbeitet die verwirrende verwaltungsjuristische Entstehung einer seltsamen Institution der NS-Bühnenpolitik bis ins letzte Detail auf. Nach der Machtergreifung schienen alle ehrgeizigen Parteigenossen nach dem Motto «Auf die Plätze, fertig, los» loszustürmen, um fette Pfründen zu ergattern, indem sie irgendwelche Amtsstellen erfanden, die dann im erbitterten Gerangel gegen Konkurrenten verteidigt und legalisiert werden mussten. Rainer Schlösser, seit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Querschnitt des «Zigeunerbaron» mit Melitta Muszely legte vor mehr als vierzig Jahren den Grundstein meiner Plattensammlung. Die Österreicherin mit dem ungarischen Namen begleitete auch weiterhin meine frühen Opernjahre, denn sie war damals eine der populärsten Bühnenkünstlerinnen im deutschsprachigen Raum, omnipräsent in Rundfunk und Fernsehen wie auf...
Angst- und Wunschtraumzauber
Wie Katharina Wagner und Robert Sollich bei den «Meistersingern» neue Hörperspektiven schaffen
chuhe sind normalerweise nicht das, worauf es bei einer Opernaufführung ankommt. Jedenfalls nicht auf der Bühne. Von den Choristen hat jeder zwei, drei Paar in der Garderobe. Das reicht aus, um vierhundert Jahre Operngeschichte zu durchqueren....
Die Idee, das Repertoire eines historischen Sängers zum Ausgangspunkt eines Arienalbums zu machen, ist nicht neu. Vivica Genaux hat vor einigen Jahren mit großem Erfolg eine Sammlung von Arien Farinellis vorgelegt. Gleich mehrere Sänger (Drew Minter, Andreas Scholl und jüngst Marijana Mijanovic) – haben sich Programme aus Favoritstücken von Farinellis Konkurrenten...
