Der belebte Raum
Von Vladimir und Estragon weiß man, dass sie warten, und dass sie es vergeblich tun. An diesem Sommerabend in Aix, 2025, bei der Premiere von Gustave Charpentiers Roman musical «Louise» ist es ein bisschen ähnlich – mit dem feinen Unterschied, dass all jene Paare und Passanten, die mit somnambul verschleiertem Blick im riesigen Warteraum einer psychiatrischen Klinik sitzen, zwar ebenso sehr Verlorene sind wie die beiden tristen Protagonisten aus Becketts Parabel, dass in ihnen aber noch ein Fünkchen Hoffnung glimmt.
Da ist ein Licht draußen, die Vorstellung von einer Welt, die es einmal gegeben hat und die es wieder geben könnte, eine Mélange aus Vision und Erinnerung. Die Liebe, mag sie auch vorerst verblasst sein, hat jenseits der leicht milchigen Scheiben einmal existiert, und vielleicht führt eine der Türen, die an den Seiten zu sehen sind, auf verschlungenen Pfaden dereinst doch noch zurück in dieses zart-poröse Pariser Glück. Mit ein wenig Phantasie könnte man sogar philosophisch werden beim Anblick dieser Szenerie: Zur Zeit wird hier der Raum.
Ersonnen und gebaut hat ihn ein Künstler, dessen Sinn für Architektur schon immer sehr stark ausgeprägt war. Es ist, neben den ...
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Opernwelt Jahrbuch 2026
Rubrik: Bilanz des Jahres, Seite 62
von Jürgen Otten
67. JAHRGANG, JAHRBUCH 2026
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin GmbH ISSN 0030-3690 REDAKTION OPERNWELT Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße 24, 10785 Berlin Tel.: +49(0)30/25 44 95-55 | Fax: -12 redaktion@opernwelt.de | www.opernwelt.de
REDAKTION Jürgen Otten (V. i. S. d. P.), Clemens Haustein
REDAKTIONSBÜRO Irene Naujoks redaktion@opernw...
Das Gelingen einer Opernproduktion hängt von Vielem ab: von einem klugen Dirigat, gesunden Stimmen und natürlich von einer tragfähigen Regieidee. Doch weil jede Idee nur so gut ist wie ihre Umsetzung, braucht es unbedingt auch Fachleute für das Kostümbild, die ihr Handwerk verstehen. Erst wenn all diese Rädchen ineinandergreifen, entstehen jene magischen Momente,...
Alle Kunst, so hat es der marxistisch-humoristische Denker und Dramatiker Peter Hacks einmal zu Protokoll gegeben, sei in lausigen Zeiten. Doch die Frage sei nicht, was Kunst in lausigen Zeiten mache, sondern was sie in Zeiten der Verzweiflung unternehme: «Was geht, wenn nichts geht?» Hacks meinte das so konkret, wie es hier steht. Für ihn war Kunst immer...
