Denkbilder

Romeo Castellucci startet sein «Ring»-Projekt in Brüssel mit einem poetisch durchwirkten «Rheingold», Alain Altinoglu serviert keine narkotischen Wagner-Klänge

Opernwelt - Logo

Für das immer heikle Ende, den von schlimmstem Des-Dur-Dröhnen begleiteten Einzug der Götter in ihr neues, so teuer erkauftes Heim Walhall, findet Romeo Castellucci, der für Regie, Ausstattung und Licht verantwortlich zeichnet, ein verblüffend einleuchtendes Bild: Wotans Gesellschaft, in weiß wallenden Sektengewändern, tritt nacheinander an ein großes schwarzes Loch in der Bühnenmitte und lässt sich nach kurzer Besinnung rücklings hineinfallen; einfach weg. Keine schlechte Lösung, das Geschehen mutet ohnehin zunehmend kosmisch an.

Es gibt, im ersten Teil des neuen «Ring» an Brüssels Théâtre de la Monnaie, noch andere seltsame Zeremonien zu bestaunen, und manches bleibt einfach rätselhaft: ein schwebender Plastikstuhl, ein kopfloser Buddha, ein krachend vom Himmel stürzendes Riesenkrokodil (als Fafner Fasolt erschlägt, der erste Mord in diesem Krimi), eine bestimmt ausgefuchste Semantik von Schwarz und Weiß, nun gut. Stark auch der Anfang: Noch bevor das epochale Kontra-Es den Beginn von allem und den Anfang vom Ende dieser Welt imaginiert, dreht sich ein Ring wie ein überdimensionierter metallischer Hula-Hoop-Reifen im Halbdunkel, erst langsam, dann scheppernd immer schneller, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Im Fokus, Seite 5
von Holger Noltze

Weitere Beiträge
Gefährliche Liebschaften

Vielleicht war es Zufall, vielleicht sublime Dramaturgie. Zwei Aufführungen des Teatro Real an aufeinander folgenden Tagen boten in Madrid Variationen eines Opernurstoffs: eine Frau zwischen zwei Männern. Die Uraufführung «La Regenta» von Marisa Manchado Torres fand nicht im Haupthaus statt, sondern in einem Saal des 2006 eröffneten Kulturzentrums Matadero. Der...

Im goldenen Käfig

Blumen-Duett» und «Glöckchen-Arie»: Zwei populäre Nummern aus Léo Delibes’ «Lakmé» behaupten sich auch in den einschlägigen Internet-Musikkanälen. Im Gegensatz zur Oper, die zumal im deutschsprachigen Theater ein Schattendasein fristet. Schwülstige «exotische Idylle» à la française? Jetzt könnte die Zeit reif sein für einen neuen Blick auf «Lakmé». Thematisiert die...

Schatzsuche

Kurz ist er, der Sommer der Anarchie. Kurz, aber intensiv. Und voller Widerstandsgeist. Verantwortlich dafür ist insbesondere jene junge Pariserin mit dem charmant-altmodischen Vornamen Clairette, die man in den Gassen rund um das Quartier des Halles gut kennt und ihres couragierten Charakters wegen schätzt, die aber über die Grenzen Frankreichs kaum bekannt sein...