Dekonstruktion als Konstruktion
Man wüsste es ja wirklich gern, was den Zauber der Musik ausmacht, von dem alle sprechen. Fredrik Zeller auch, sagt er zumindest. Magie und Musik will er kombinieren und hat darum ein «Musiktheater» geschrieben – wie sich in letzter Zeit die neuen Werke für die Opernbühne gern nennen –, das den schönen Titel «Zaubern» trägt. Es wurde als Auftragskomposition der Schwetzinger Festspiele im Rokokotheater uraufgeführt. Eine nacherzählbare Geschichte hat sich der Lachenmann-Schüler als sein eigener Librettist natürlich nicht ausgedacht.
Als roter Faden führt die Figur eines Magiers durch fünf Szenen, die sonst dramaturgisch nicht zusammenhängen. Es beginnt mit dem «Gescheiten Hans», einem Märchen der Brüder Grimm. Hans ist ein tumber Kerl. Er braucht für alles, was er in der Welt Neues entdeckt, von seiner Mutter eine Gebrauchsanweisung. Prompt wendet er diese auf alle anderen Situationen an und scheitert so kläglich: Eine Nadel soll Hans sich an den Ärmel stecken, damit sie nicht verloren geht. Das Nächste, was ihm seine Freundin Gretel jedoch schenkt, ist ein Messer, und er sticht sich damit – folgsam Kind – in den Arm. Was dieser hochkomplizierte Text über Sprache und Verstehen, über ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Alles ist Spaß auf Erden»: Aus dem Falstaff-Motto hatte Peter Konwitschny 2001 in Graz einen herrlich tristen Theaterabend gezaubert. Die Wehmut war heiter am Ende der Intendanz von Gerhard Brunner. Das Konzept mischte die Analyse des Stückes mit der Liebeserklärung an ein Theater und mit einer saftigen Portion Kulturpessimismus. Die Bühne bestand eigentlich nur...
Für Volker Klotz ist «Der Zigeunerbaron» der Modellfall einer Operette auf Abwegen, gezeichnet vom «überanstrengten Pathos und Sentiment», ein anachronistisches Werk, das weit hinter Offenbach zurückfällt, im Grunde also eine missglückte Große Oper. Dass sie musikalische Qualitäten hat, die über das Genre hinausweisen, steht nicht im Widerspruch zu dieser...
Sonderlich beliebt sind sie nicht, die alten Schweden. Fragt man in Stockholm nach nationalen Klassikern des Tonsatzes, kommen Einschätzungen wie «nicht wirklich gut» (der Komponist Anders Hillborg über den Komponisten Kurt Atterberg) oder das Bekenntnis «klingt mit Retuschen besser» (der Dirigent Manfred Honeck über den Komponisten Franz Berwald). Unverdrossen...
