Das zirkushafte Moment der Gefahr
Schauspieler, Dramaturgen, Dirigenten, Komponisten, Cineasten, Humoristen, Psychologen, Schriftsteller inszenieren Oper. Ist der Opernregisseur jemand, der nicht weiß, welchen Beruf er verfehlt hat?
Speziell hier in England, wo die Kunst gern diesen muffigen Geruch von Amateuraufführung und Gemeindesaal annimmt, lieben wir die Quereinsteiger. Etwa, wenn ein Mediziner oder ein Altphilologe sich plötzlich zur Bühne hingezogen fühlt. Sich konsequent auf den Regieberuf vorzubereiten gilt demgegenüber oft als verdächtig, als «elitär» wie die so genannte «High Art» überhaupt.
Wie kamen Sie zum Theater?
Ich wusste schon im Alter von acht oder neun, dass ich dorthin wollte. Dabei wuchs ich in nicht gerade hochkunstfreundlichen Verhältnissen auf: in einer Arbeitersiedlung, einer Umgebung, wo man eher verprügelt wurde, wenn man sich als Opernliebhaber outete. Mein Interesse an Theater und Musik kam über das Radio, und schon in der Schule, im Werkunterricht, habe ich, statt Bücherstützen oder Regale zu basteln, Bühnen gebaut – etwa das gesamte Inventar des «Ring», ganz im Stil von Neubayreuth, Pseudo-Wieland-Scheiben und so weiter. Später studierte ich dann am Drama Department der ...
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Es wäre ja so leicht, den Allegro-Molto-Teil der «Don Giovanni»-Ouvertüre vorzubereiten, meinte Peter Gülke auf dem jüngsten Symposion im Berliner Institut für Musikforschung. Ein dezenter Auftakt am Ende des einleitenden Andante, schlagtechnisch kein Problem. Genau das machte Furtwängler aber nicht. Er riskierte mit dem Allegro einen Neuanfang, beließ damit dem...
Die klassische Situation: Eine bestimmte Anzahl von Menschen aus verschiedenen Ländern, unterschiedlicher Herkunft, beiderlei Geschlechts, gerät auf einer gemeinsamen Reise aufgrund höherer Gewalt in die berüchtigte «Inselsituation»: Es gibt keinen Ausweg, keiner kann dem anderen ausweichen, man muss sich arrangieren, die Zeit totschlagen oder – wie im...
Das alte Klagelied der Leichten Muse: Warum gibt es keine neuen, aktuellen Operetten mehr? Immer nur Wien, Wien, nur du allein, und natürlich Offenbach. Der schaute seiner Zeit und deren Gesellschaft bissig-witzig-aggressiv mit intelligenter Musik und pointierten Texten ins Gesicht und kalte Herz. Noch heute amüsiert uns das, die Machart vor allem, denn die...
