Plattenbauoperette
Das alte Klagelied der Leichten Muse: Warum gibt es keine neuen, aktuellen Operetten mehr? Immer nur Wien, Wien, nur du allein, und natürlich Offenbach. Der schaute seiner Zeit und deren Gesellschaft bissig-witzig-aggressiv mit intelligenter Musik und pointierten Texten ins Gesicht und kalte Herz. Noch heute amüsiert uns das, die Machart vor allem, denn die gesellschaftlichen und politischen Vorbilder, die Offenbach ins Visier nahm, kennen wir nicht mehr, und deshalb haben wir und das Theater oft so große Schwierigkeiten mit Offenbachs Operetten.
Und was ist mit unserer Gegenwart? Die Realität überholt mit ihrer Medienmacht ihre künstlerisch-artistische Verwurstung mühelos rechts und links. Wer den Bundeskanzler im Fernsehen erlebt, braucht nicht länger Geld für eine satirische Theater-Kabarett-Revue auszugeben. Gegen die Wirklichkeit kommt kein Witzemacher mehr an, es sei denn, er fabriziert die Verwitzelungen als Selbstschutz gegen drohenden persönlichen Wahnsinn. Ein wenig anders sieht es, oder man muss ja jetzt sagen: sah es zu Zeiten des Kalten Krieges aus. Wer in autoritären Ostblockstaaten politische Witze riss, riskierte zumindest Ärger für seine Person. Deshalb muss man ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dass Großbritannien ein Paradies für Exzentriker jedweder Couleur sei, ist keineswegs bloß ein wohlfeiles Klischee. Wohl in keinem zweiten Land der Alten Welt werden private Marotten, bizarre Gebräuche und Umständlichkeiten im öffentlichen Leben mit einer so weitherzigen, selbstverständlichen Toleranz bedacht (und zum Gegenstand eines erfrischend selbstironischen...
Die Hauptstadt der Region Lothringen Nancy, einstige Residenz der lothringischen Herzöge, bereitet sich auf ein großes Jubiläum vor: In diesem Jahr wird der 250. «Geburtstag» der 1755 eingeweihten Place Stanislas gebührend gefeiert – der damals aus Polen vertriebene König Stanislas I. Leszczynski hatte seinen Baumeister Heré mit der Gestaltung der heute immer noch...
Zwei Werke, die auf den ersten Blick nichts miteinander gemein haben, Tschaikowskys lyrische Szenen «Eugen Onegin» und Richard Strauss’ Musikdrama «Elektra», rückten bei einer Doppelpremiere an der Deutschen Oper am Rhein nahe aneinander. Beide Male sind es Alpträume der weiblichen Hauptfiguren, mit denen die Regisseure – Giancarlo del Monaco im «Onegin» und Stein...
