Plattenbauoperette
Das alte Klagelied der Leichten Muse: Warum gibt es keine neuen, aktuellen Operetten mehr? Immer nur Wien, Wien, nur du allein, und natürlich Offenbach. Der schaute seiner Zeit und deren Gesellschaft bissig-witzig-aggressiv mit intelligenter Musik und pointierten Texten ins Gesicht und kalte Herz. Noch heute amüsiert uns das, die Machart vor allem, denn die gesellschaftlichen und politischen Vorbilder, die Offenbach ins Visier nahm, kennen wir nicht mehr, und deshalb haben wir und das Theater oft so große Schwierigkeiten mit Offenbachs Operetten.
Und was ist mit unserer Gegenwart? Die Realität überholt mit ihrer Medienmacht ihre künstlerisch-artistische Verwurstung mühelos rechts und links. Wer den Bundeskanzler im Fernsehen erlebt, braucht nicht länger Geld für eine satirische Theater-Kabarett-Revue auszugeben. Gegen die Wirklichkeit kommt kein Witzemacher mehr an, es sei denn, er fabriziert die Verwitzelungen als Selbstschutz gegen drohenden persönlichen Wahnsinn. Ein wenig anders sieht es, oder man muss ja jetzt sagen: sah es zu Zeiten des Kalten Krieges aus. Wer in autoritären Ostblockstaaten politische Witze riss, riskierte zumindest Ärger für seine Person. Deshalb muss man ...
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Oper, so besagt eine schöne und deshalb viel benutzte Formel von Alexander Kluge, ist ein «Kraftwerk der Gefühle». Das Schönste an dieser Formel ist, dass sie das Moment des Aktiven hervorhebt. Oper frisst nicht nur Gefühle, sie wälzt sie auch um und vor allem: Sie produziert sie. Kurz, es geht um einen Energiekreislauf, für dessen Funktionieren allerdings jeder...
Man kann leicht über Franco Zeffirellis Wiener «Carmen»-Inszenierung spotten, über den Aufwand – Kulissen, 500 Mitwirkende und acht Pferde –, der umgekehrt proportional zur inhaltlichen Leere der szenischen Deutung steht. Doch eines muss man Zeffirelli lassen: Als Filmregisseur der Live-Übertragung hat er den Dirigenten, weit über das übliche Maß hinaus,...
Seit mehr als einem Dutzend Jahren ist «der Klotz» eine Art Bibel für alle geworden, die sich beruflich oder zum Vergnügen mit der Operette beschäftigen. Die erste Auflage (1991, 756 Seiten) skizzierte anhand repräsentativer Beispiele das Profil der Gattung (Stoffe, Personal, Dramaturgie) und stellte 106 Werke in Inhaltsangaben und textlich-musikalischem Kommentar...
