Das komponierte Ensemble
Die klassische Situation: Eine bestimmte Anzahl von Menschen aus verschiedenen Ländern, unterschiedlicher Herkunft, beiderlei Geschlechts, gerät auf einer gemeinsamen Reise aufgrund höherer Gewalt in die berüchtigte «Inselsituation»: Es gibt keinen Ausweg, keiner kann dem anderen ausweichen, man muss sich arrangieren, die Zeit totschlagen oder – wie im Kriminalroman – sich peu à peu umbringen, nach der Melodie von den zehn kleinen Negerlein. Rossinis Oper «Il viaggio a Reims» ist nach diesem dramaturgischen Muster konzipiert.
Eine internationale Reisegesellschaft, die zur Königskrönung nach Reims möchte, sitzt in einem Badeort fest, wartet auf neue Wagen und Kutschpferde und vertreibt sich bis dahin die Stunden mit virtuosem Gesang, in dem sich zwischen halsbrecherischen Koloraturen, sanft schwingenden Kantilenen und dem berühmten «Gran pezzo concertato» für vierzehn exquisite Solisten das übliche Quiproquo der Gefühle ausbreitet, für dessen Charakterisierung man einfach nur auf die Komödien eines Marivaux verweisen könnte: das Spiel von Liebe und Zufall – ein Drama des Innenlebens. Rossinis Genialität besteht darin, wie er diese komödienhaft-antreibende, seelenanalytische Rede ...
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Seit dem Wiederaufbau des abgebrannten Hauses (1999) sucht das Gran Teatre del Liceu in Barcelona wieder in der Ersten Liga der internationalen Opernhäuser mitzuspielen. Einige jetzt auf DVD veröffentlichte Aufführungen sind da durchaus Erfolg versprechend, auch wenn es sich zumeist um eingekaufte Produktionen handelt.
Rossinis Krönungsoper «Il viaggio a Reims»,...
Die Frau ist zum Dahinschmelzen. Und für rund zwanzig Dollar zu haben. Umhüllt von dunkler Schokolade, mit gehackten Haselnüssen und Amarettokeksen in Clementinensauce. «La Diva Renée» gibt's im New Yorker Nobelrestaurant «Daniel» auf der 65. Straße. Das heißt: Es gab sie, damals, im Jahr 2000, als Renée Fleming in aller Munde war. Jetzt setzt Star-Koch Daniel...
Zwei Werke, die auf den ersten Blick nichts miteinander gemein haben, Tschaikowskys lyrische Szenen «Eugen Onegin» und Richard Strauss’ Musikdrama «Elektra», rückten bei einer Doppelpremiere an der Deutschen Oper am Rhein nahe aneinander. Beide Male sind es Alpträume der weiblichen Hauptfiguren, mit denen die Regisseure – Giancarlo del Monaco im «Onegin» und Stein...
