Das komponierte Ensemble

Frankfurt, Rossini: Il viaggio a Reims

Opernwelt - Logo

Die klassische Situation: Eine bestimmte Anzahl von Menschen aus verschiedenen Ländern, unterschied­licher Herkunft, beiderlei Geschlechts, gerät auf einer gemeinsamen Reise aufgrund höherer Gewalt in die berüchtigte «Inselsituation»: Es gibt keinen Ausweg, keiner kann dem anderen ausweichen, man muss sich arrangieren, die Zeit totschlagen oder – wie im Kriminalroman – sich peu à peu umbringen, nach der Melodie von den zehn kleinen Negerlein. Rossinis Oper «Il viaggio a Reims» ist nach diesem dramaturgischen Mus­ter konzipiert.

Eine internationale Reisegesellschaft, die zur Königskrönung nach Reims möchte, sitzt in einem Badeort fest, wartet auf neue Wagen und Kutschpferde und vertreibt sich bis dahin die Stunden mit virtuosem Gesang, in dem sich zwischen halsbrecherischen Koloraturen, sanft schwingenden Kantilenen und dem berühmten «Gran pezzo concertato» für vierzehn exquisite Solisten das übliche Quiproquo der Gefühle ausbreitet, für dessen Charakterisierung man einfach nur auf die Komödien eines Marivaux verweisen könnte: das Spiel von Liebe und Zufall – ein Drama des Innenlebens. Rossinis Genialität besteht darin, wie er diese komödienhaft-antreibende, seelenanalytische Rede ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Gerhard Rohde

Vergriffen
Weitere Beiträge
Britten: A Midsummer Night’s Dream

Kein Zauberwald, sondern ein Dachboden. Das ist der Raum, den Regisseur David McVicar und Bühnenbildner Rae Smith für die Brüsseler Neuinszenierung von Brittens «A Midsummer Night’s ­Dream» gewählt haben. Auf diesem Dachboden regieren Oberon, Tytania und ihre Elfen. Viele alte Kommoden, staubige Sessel und Schränke: Man wähnt sich in einem romantischen Kinderfilm....

Don Quijote auf Speed

An der Wiederentdeckung des Opernkomponisten Antonio Vivaldi hat «Orlando Furioso» gewichtigen Anteil: Die weltweit ausgestrahlte szenische Produktion dieser Oper anlässlich des Vivaldi-Jahres 1978 mit Marilyn Horne in der Titelrolle machte ein breites Publikum erstmalig darauf aufmerksam, dass Händel nicht der einzige Barockkomponist gewesen ist, der Opern...

Das zirkushafte Moment der Gefahr

Schauspieler, Dramaturgen, Dirigenten, Komponisten, Cineasten, Humoristen, Psychologen, Schriftsteller inszenieren Oper. Ist der Opernregisseur jemand, der nicht weiß, welchen Beruf er verfehlt hat?
Speziell hier in England, wo die Kunst gern diesen muffigen Geruch von Amateuraufführung und Gemeindesaal annimmt, lieben wir die Quereinsteiger. Etwa, wenn ein...