Der kalkulierende Zweifler
Es wäre ja so leicht, den Allegro-Molto-Teil der «Don Giovanni»-Ouvertüre vorzubereiten, meinte Peter Gülke auf dem jüngsten Symposion im Berliner Institut für Musikforschung. Ein dezenter Auftakt am Ende des einleitenden Andante, schlagtechnisch kein Problem. Genau das machte Furtwängler aber nicht. Er riskierte mit dem Allegro einen Neuanfang, beließ damit dem Andante Würde, Schwere und Autonomie. Überhaupt hob Gülke in seinem Vortrag die Risikofreudigkeit von Furtwänglers Schlag hervor: etwa die Art, rhythmisches Innenleben der Musik zu verlebendigen.
Dergleichen könne nur entstehen, wenn die Dirgiertechnik dem Orchester Raum gebe, statt zu diktieren. Es sei schwer probierbar, gehöre zur «Intimsphäre der Musik». Genau auf die setzte Furtwängler, jenseits aller schlagtechnischen Perfektion. Bezeichnend, dass er noch nach zwanzigjähriger Dirigierpraxis auf die Frage nach der Funktion der linken Hand ins Grübeln kam: Er hatte sich einfach nie Gedanken darüber gemacht.
Das Berliner Symposion widmete sich weder dem Homo politicus, noch dem Komponisten, sondern ausschließlich dem Dirigenten Furtwängler. Und das mit gutem Grund. Denn Interpretationsforschung ist ein neues Feld ...
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