Das Stück schlägt zurück
Das Misstrauen des Regisseurs ist groß gegenüber dem «Rosenkavalier» von Richard Strauss. Im Programmheft zur neuen Produktion in Hannover berichtet Christian Stückl, gebürtiger Oberammergauer, Intendant des Münchner Volkstheaters und für 2030 erneut als Spielleiter für die Passionsfestspiele in seinem Heimatort vorgesehen, von seinen Schwierigkeiten, in dieser «Komödie für Musik» das Komödiantische auch zu erkennen.
Lieber verweist er auf jene Elemente des Werks, die aus heutiger Sicht politisch unkorrekt sind: das übergriffige Verhalten des Baron Ochs, das Auftauchen eines farbigen Pagen, der in Hofmannsthals Text, wie damals üblich, mit dem N-Wort belegt wird.
Der Page wird von Stückl einfach weggelassen, weshalb die Marschallin im ersten Akt etwas länger als sonst auf das Frühstück warten muss: Zum orientalisch kolorierten Marsch passiert zunächst gar nichts, dann treten im Gänseschritt drei Zimmermädchen des mediterran-feudalen Hotels auf, in dem diese Inszenierung spielt, mit Häubchen und Schürzchen. Eine ist etwas beleibter und bringt beim Hereingehen noch einmal ihren mächtigen Busen in Form. Die Komik trifft. Aber nimmt man Stückls strenge Moral zum Maßstab – wäre diese ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Clemens Haustein
Anders als Antonio Salieri mit seinem «Cublai, gran kan de’ Tartari» konnte Mozart schon zu Lebzeiten mit der «Zauberflöte» reüssieren – vor allem aber sein Mitstreiter Emanuel Schikaneder, der sich mit den Einspielergebnissen ein neues Theater baute – das «Theater an der Wien». Dass ihm dabei ein Kaufmann mit dem wie von Nestroy erfundenen Familiennamen Zitterbart...
Iside, schöne, stolze Tochter des Flussgottes Inachos und verlobt mit dem ägyptischen König Osiris, ist, man kann es nicht anders sagen, sauer. Ach, was: Enragiert und fuchsteufelswild ist sie. Also schleudert sie ihre erklecklichen thymotischen Energien heraus wie eine Furie – so furios, dass wohl selbst Jupiter, oberster olympischer Casanova, lieber das Weite...
Schlägt man das Kapitel zu Anna Netrebko in Jürgen Kestings Monumentalwerk «Die großen Sänger» auf, so spürt man sofort, dass den Autor die Kunst in ihrer ganzen Welthaltigkeit interessiert: als Ware, als Medienphänomen und als Gegenstand eminenter Eigenbedeutsamkeit.
Kesting zitiert dort Rudolf Gröger, den damaligen CEO des Mobilfunkunternehmens O2, mit der...
