Das Sofa des Schicksals

Bonn, Verdi: La forza del destino

Opernwelt - Logo

Da hilft kein Fleckenteufel: Am Ende ist das weiße Sofa nicht weniger blutüberströmt als jene, die auf ihm lebten, liebten und starben. Dass Philipp Himmelmann kein Möbelschoner ist, hat er schon in seiner Berliner «Don Carlo»-Inszenierung bewiesen, wo Spanien an, auf und unter einem Esstisch regiert wurde. In der Heimat des Regisseurs muss nun ein Viersitzer dran glauben, um die verwickelten Folgen der Verdi’schen Schicksalsmächte entwirren zu helfen. Wie eng beide Werke zusammenhängen, zeigt nicht zuletzt die konzeptionelle Ähnlichkeit dieser Wohnzimmerversionen.


Dass das Konzept bei der Bonner «Forza» konsequenter greift als beim Berliner «Carlo», mag an dem lockerer geknüpften politischen Geflecht des Stücks liegen, das denn auch nicht im Vordergrund der Inszenierung steht. Himmelmanns Blick gilt vor allem den inneren Regungen der Figuren, die weniger des Schicksals wegen als eher durch emotional unbewältigte Zufälle gegeneinander anrennen. Dass Himmelmann hierzu kaum mehr als besagte Sitzgelegenheit braucht, unterstreicht seine Fähigkeit zur konzentrierten Personenführung und einen unter Regisseuren seltenen Sinn für Ökonomie.
Was nach und nach aus dem Schnürboden auf die leere ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2005
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Olaf Wilhelmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verdi: I vespri siciliani

Widerstreitend sind die Gefühle in Palermo. Ungetrübter Glanz einer hervorragend musizierten Verdi-Aufführung hätte sich entfalten können, steckte das Theater nicht in einer tiefen Krise. In Mailand oder Parma hätten die Opernfans den Protagonisten und Ralf Weikert am Pult Ovationen bereitet – hier brö­ckelt ein resigniertes Publikum ab und applaudiert müde.
In...

Petersburger Belcanto

Unser Bild von russischen Sängern ist vor allem von Schaljapin geprägt sowie von den rauen Kraftkehlen aller Stimmlagen, die – seit der Wende verstärkt – die westeuropä­ischen Bühnen erobern. Dass vor allem Petersburg bis zur Revolution eine Hochburg des Belcanto war, in der sich die italienischen Stars die Klinke in die Hand gaben und die einheimischen Künstler im...

Strauss: Der Rosenkavalier

Hier geht wirklich alles drunter und drüber. Menschen werden zu Puppen, Ausstellungsstücke zu Menschen, die Welt steht Kopf. Alles ein Traum. Soll so sein? Nicht E. T. A. Hoffmann ziert das Programm dieses Abends, sondern das Tandem Strauss-Hofmannsthal. Der Strauss-Zyklus des Essener Aalto-Theaters ist nun beim «Rosenkavalier» angekommen, und der überreicht seine...