Das Sofa des Schicksals
Da hilft kein Fleckenteufel: Am Ende ist das weiße Sofa nicht weniger blutüberströmt als jene, die auf ihm lebten, liebten und starben. Dass Philipp Himmelmann kein Möbelschoner ist, hat er schon in seiner Berliner «Don Carlo»-Inszenierung bewiesen, wo Spanien an, auf und unter einem Esstisch regiert wurde. In der Heimat des Regisseurs muss nun ein Viersitzer dran glauben, um die verwickelten Folgen der Verdi’schen Schicksalsmächte entwirren zu helfen. Wie eng beide Werke zusammenhängen, zeigt nicht zuletzt die konzeptionelle Ähnlichkeit dieser Wohnzimmerversionen.
Dass das Konzept bei der Bonner «Forza» konsequenter greift als beim Berliner «Carlo», mag an dem lockerer geknüpften politischen Geflecht des Stücks liegen, das denn auch nicht im Vordergrund der Inszenierung steht. Himmelmanns Blick gilt vor allem den inneren Regungen der Figuren, die weniger des Schicksals wegen als eher durch emotional unbewältigte Zufälle gegeneinander anrennen. Dass Himmelmann hierzu kaum mehr als besagte Sitzgelegenheit braucht, unterstreicht seine Fähigkeit zur konzentrierten Personenführung und einen unter Regisseuren seltenen Sinn für Ökonomie.
Was nach und nach aus dem Schnürboden auf die leere ...
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