Das Prinzip Ego
Für eine mittelgroße Bühne wie Kiel bedeutet der «Parsifal» mit Sicherheit einen nicht zu unterschätzenden Kraftakt. Wenn man unter diesen Bedingungen der Produktion mehr als nur einen Achtungserfolg bescheinigen darf, so spricht das für die Qualität des Geleisteten. Nach dem viel gepriesenen «Jahrtausend-‹Ring›» in der Ära Harms hat die Fördestadt jetzt wieder einen Wagner im Programm, den anzuhören und anzusehen lohnt.
Der junge Regisseur Frank Hilbrich, der mit dem «Freischütz» in der letzten Saison einen eher unglücklichen Einstand hatte, legt ein stringent durchgeführtes Regiekonzept vor, das abzielt auf heftige Kritik an der Gralsgesellschaft bis hin zu einem in Resignation versinkenden Schluss. Die Ritter – hier modern gekleidete Managertypen – erweisen sich, obwohl sie bei der Enthüllung des Grals in dekorative religiöse Ekstase verfallen, mehr als mitleidlose Egozentriker denn als Krieger im Kampf um das Gute in der Welt. Es erscheint deshalb nur konsequent, dass sie sich am Ende des dritten Aktes von Parsifal, dem Heilsbringer, abwenden und ihn auf der leeren Bühne allein lassen mit der Leiche Kundrys, während aus der Höhe ein in diesem Kontext durchaus fragwürdiges ...
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Eine verwegene These? Die Berliner Philharmoniker sind kein gutes Opernorchester – weil sie ein zu gutes sind. Wenn den Musikern und Simon Rattle eine so hellsichtige, geistsprühende Interpretation gelingt wie bei den diesjährigen Salzburger Osterfestspielen, sprengen sie das Gesamtkunstwerk Oper. Was da bei Benjamin Brittens «Peter Grimes» an elektrisierender...
Die rasante Erschließung von Antonio Vivaldis musikdramatischem Œuvre ist momentan das erstaunlichste Phänomen auf dem Klassik-CD-Markt. Galt die Gesamtaufnahme selbst eines Vivaldi-Hauptwerks vor drei, vier Jahren noch als finanzielles Wagnis, stürzen sich mittlerweile selbst die großen Produzenten auf alles, was sich mit dem Etikett Vivaldi bekleben lässt –...
Die bühnenfüllende, bis ins Orchester sich hinabschwingende Freitreppe (Ausstattung: Sibylle Schmalbrock) wäre wie gemacht für den dritten «Arabella»-Akt. Sie signalisiert eher intaktes Großbürgertum, als dass sie die zwischen Traum und Wirklichkeit changierenden Brechungen dieses auf Jean Genet zurückgehenden Operneinakters des Schweden Peter Bengtson wiedergeben...
