Das Prinzip Ego
Für eine mittelgroße Bühne wie Kiel bedeutet der «Parsifal» mit Sicherheit einen nicht zu unterschätzenden Kraftakt. Wenn man unter diesen Bedingungen der Produktion mehr als nur einen Achtungserfolg bescheinigen darf, so spricht das für die Qualität des Geleisteten. Nach dem viel gepriesenen «Jahrtausend-‹Ring›» in der Ära Harms hat die Fördestadt jetzt wieder einen Wagner im Programm, den anzuhören und anzusehen lohnt.
Der junge Regisseur Frank Hilbrich, der mit dem «Freischütz» in der letzten Saison einen eher unglücklichen Einstand hatte, legt ein stringent durchgeführtes Regiekonzept vor, das abzielt auf heftige Kritik an der Gralsgesellschaft bis hin zu einem in Resignation versinkenden Schluss. Die Ritter – hier modern gekleidete Managertypen – erweisen sich, obwohl sie bei der Enthüllung des Grals in dekorative religiöse Ekstase verfallen, mehr als mitleidlose Egozentriker denn als Krieger im Kampf um das Gute in der Welt. Es erscheint deshalb nur konsequent, dass sie sich am Ende des dritten Aktes von Parsifal, dem Heilsbringer, abwenden und ihn auf der leeren Bühne allein lassen mit der Leiche Kundrys, während aus der Höhe ein in diesem Kontext durchaus fragwürdiges ...
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Venedigs neuer «Parsifal» stand zweifach im Zeichen der Trauer. Das Publikum gedachte Marcello Viottis, des kürzlich verstorbenen Musikchefs des Hauses, der die Produktion musikalisch leiten sollte. Zuvor hatten Gewerkschaftssprecher einen Appell verlesen, der die dramatischen Subventionskürzungen im Kulturbereich zum Thema hatte: Die Opernsituation Italiens sei...
Der Zerfall des russisch-bolschewistischen Staatsgebildes, begleitet von bis heute nicht bewältigten Krisenphänomenen bis hin zu brutalen militärischen und terroristischen Aktionen, hat unseren Blick auch für künstlerische Reflexionen geschärft. Um bei der Oper zu bleiben: Als Herbert Wernicke in Salzburg für Mussorgskys «Boris Godunow» auf einem riesigen...
Die «Gräfin Mariza» hält manches Bonmot parat. Eines davon: «Denn deine Leidenschaft brennt heißer noch als Gulaschsaft». Wenden wir dies als Maßstab auf die Neueinspielung der «Csárdásfürstin» an, werden wir uns rasch wieder enttäuscht von ihr abwenden. Die Fürstin lahmt, ihr fehlt es an Witz, an Charme, an Koketterie. Altmeister Richard Bonynge bekommt das...
