Das Prinzip Ego

Der Erlöser allein am Gral: In Kiel wollen die Ritter von Parsifals Mission nichts wissen

Für eine mittelgroße Bühne wie Kiel ­bedeutet der «Parsifal» mit Sicherheit ­einen nicht zu unterschätzenden Kraftakt. Wenn man unter diesen Bedingungen der Produktion mehr als nur ­einen Achtungserfolg bescheinigen darf, so spricht das für die Qualität des Ge­leisteten. Nach dem viel gepriesenen «Jahrtausend-‹Ring›» in der Ära Harms hat die Fördestadt jetzt wieder einen Wagner im Programm, den anzuhören und anzusehen lohnt.


Der junge Regisseur Frank Hilbrich, der mit dem «Freischütz» in der letzten Saison einen eher unglücklichen Einstand hatte, legt ein stringent durchgeführtes Regiekonzept vor, das abzielt auf heftige Kritik an der Gralsgesellschaft bis hin zu einem in Resig­nation versinkenden Schluss. Die Ritter – hier modern gekleidete Managertypen – erweisen sich, obwohl sie bei der Enthüllung des Grals in dekorative religiöse Ekstase verfallen, mehr als mitleidlose Egozentriker denn als Krieger im Kampf um das Gute in der Welt. Es erscheint deshalb nur konsequent, dass sie sich am Ende des dritten Aktes von Parsifal, dem Heilsbringer, abwenden und ihn auf der leeren Bühne allein lassen mit der Leiche Kundrys, während aus der Höhe ein in diesem Kontext durchaus fragwürdiges ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Konkrete Utopie

Vermutlich ist Bjarní Daníelsson der einzige Opernintenant der Welt, der wäh­­rend der Theaterferien ein Restaurant betreibt. Mindes­tens drei Sommerwochen hat Bjarní – in Island redet man sich grundsätzlich mit dem Vornamen an, selbst das Telefonbuch ist nach Vornamen geordnet – jedes Jahr für den Küchendienst reserviert. Und das kam so: Auf einem Segeltörn mit...

Mitterer: Crushrooms

Klänge um uns herum, Worte, live und vom Band, Bilder. Aktion, steil treppauf im Basler Foyer, auf den beiden Galerien, auf dem Flügel, mit klaustrophobischem Charakter in der gläsernen Drehtür und auch draußen, auf dem Theaterplatz, unter Assistenz eines Gabelstaplers mit Aufblendlicht. Und wir mittendrin, pausenlose einundneunzig Minuten und neun Sekunden...

Im Dienste des Textes

Die aus dem Alten Testament (1. Buch Salomo) bekannte Geschichte von Saul und David hat dramatische Komponisten zu allen Zeiten interessiert, die bekanntesten Versionen stammen von Marc-Antoine Charpentier (1688), Georg Friedrich Händel (1738), Carl Nielsen (1902) und Arthur Honegger (1921). Die bislang jüngste schrieb der hierzulande kaum bekannte Florentiner...