Das Prinzip Ego

Der Erlöser allein am Gral: In Kiel wollen die Ritter von Parsifals Mission nichts wissen

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Für eine mittelgroße Bühne wie Kiel ­bedeutet der «Parsifal» mit Sicherheit ­einen nicht zu unterschätzenden Kraftakt. Wenn man unter diesen Bedingungen der Produktion mehr als nur ­einen Achtungserfolg bescheinigen darf, so spricht das für die Qualität des Ge­leisteten. Nach dem viel gepriesenen «Jahrtausend-‹Ring›» in der Ära Harms hat die Fördestadt jetzt wieder einen Wagner im Programm, den anzuhören und anzusehen lohnt.


Der junge Regisseur Frank Hilbrich, der mit dem «Freischütz» in der letzten Saison einen eher unglücklichen Einstand hatte, legt ein stringent durchgeführtes Regiekonzept vor, das abzielt auf heftige Kritik an der Gralsgesellschaft bis hin zu einem in Resig­nation versinkenden Schluss. Die Ritter – hier modern gekleidete Managertypen – erweisen sich, obwohl sie bei der Enthüllung des Grals in dekorative religiöse Ekstase verfallen, mehr als mitleidlose Egozentriker denn als Krieger im Kampf um das Gute in der Welt. Es erscheint deshalb nur konsequent, dass sie sich am Ende des dritten Aktes von Parsifal, dem Heilsbringer, abwenden und ihn auf der leeren Bühne allein lassen mit der Leiche Kundrys, während aus der Höhe ein in diesem Kontext durchaus fragwürdiges ...

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Opernwelt Mai 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Gerhart Asche

Vergriffen
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