Alter Wein in neuem Schlauch
Die rasante Erschließung von Antonio Vivaldis musikdramatischem Œuvre ist momentan das erstaunlichste Phänomen auf dem Klassik-CD-Markt. Galt die Gesamtaufnahme selbst eines Vivaldi-Hauptwerks vor drei, vier Jahren noch als finanzielles Wagnis, stürzen sich mittlerweile selbst die großen Produzenten auf alles, was sich mit dem Etikett Vivaldi bekleben lässt – selbst wenn bei genauerem Hinsehen etwas anderes drin ist.
Kaum drei Monate ist es her, dass die Archiv Produktion der Serenade «Andromeda liberata» eine aufwändige Studioeinspielung zukommen ließ – obwohl das Stück nur eine einzige gesicherte Vivaldi-Arie enthält. Jetzt bringt Virgin ein weiteres Pasticcio als Vivaldi-Ersteinspielung heraus: Für den 1735 uraufgeführten «Bajazet» schlachtete Vivaldi nicht nur seine eigenen älteren Werke nach passenden Arien aus, sondern inkorporierte eine erhebliche Anzahl Arien von Hasse, Giacomelli und dem Farinelli-Bruder Riccardo Broschi. Ein Annäherungsversuch des alternden Komponisten an den neuen neapolitanischen Stil mit seiner gesteigerten vokalen Brillanz und seiner flächig-schnittigen Orchesterbehandlung? Oder ganz im Gegenteil eine selbstbewusste Demonstration des ...
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Am Prager Nationaltheater gibt es in letzter Zeit mehr Opern-Uraufführungen als fast überall sonst in Europa. Doch ist diese Häufigkeit allein schon Beleg für ambitionierte Musiktheaterarbeit? Immerhin: Es waren auch Erfolge dabei. Im vergangenen Jahr zum Beispiel die Eishockey-Oper «Nagano» des Prager Komponisten Martin Smolka, die in ihrer fulminanten Mischung...
Mathias Lehmann hat sich auf eine dicht befahrene Kreuzung begeben, auf der von jeder Seite Gefahr droht. Von vorn kommen womöglich die Germanisten, von der Seite die Historiker, von hinten die Musikwissenschaftler. Aber vielleicht erwartet Lehmann gar keine Gefahr, sondern jeder der Ankömmlinge ist froh, dass er beim jeweils anderen einen neuen Blick erhaschen...
Auch das bringt der Alltag an einem Doppelinstitut mit sich: Nach elf Jahren war die alte «Parsifal»-Inszenierung des damaligen Generalintendanten Kurt Horres erstmals beim Partner Duisburg zu erleben. Erst jetzt verfügt das Haus über die entsprechende Podien- und Hydrauliktechnik. Ein verstaubter Blick auf Richard Wagners Bühnenweihfestspiel? Jein. Was die...
