Das Leben – eine Oper
Ponnelle selig mag unerreicht sein. Unter den geschickten Vermarktern eigener Ideen nimmt Robert Carsen heute einen oberen Rang ein. Seine «Tosca»-Inszenierung, 1996 ein Juwel innerhalb seines Puccini-Zyklus an der Vlaamse Opera in Antwerpen und anno 2000 auch in Hamburg zu sehen, schmückte im April nun den Zürcher Spielplan. Und der Wahrheit die Ehre: Ein Schmuckstück ist sie tatsächlich.
«Come la Tosca in teatro»: Das Programmbuch verriet gleich vorneweg, wo’s lang ging.
Es war eine «Tosca», die nicht in der Kirche, im Palazzo Farnese oder auf der Engelsburg stattfindet, sondern von A bis Z im Theater, das der Ausstatter Anthony Ward höchstens im ersten Akt und zumal mit dem riesigen Marienbild beim «Tedeum» mit einem Gotteshaus kreuzte.
Wir schauen einer Sängerin zu, die eine Sängerin spielt, die die Tosca gibt. Die Ur-Gleichung des Abends lautet: Emily Magee = Maria Callas = Floria Tosca. Der Regisseur treibt ein virtuoses Theater auf dem Theater. Er jongliert mit zitierten Gesten und Haltungen. Das Leben – eine Oper: ein Dasein unterm Scheinwerfer, das Drama einer Künstlerin, die ihren Beruf mit dem Alltag gleichsetzt, sich im Grunde permanent in Anführungszeichen äußert – bis ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Für das Booklet seiner neuen CD hat Philippe Jaroussky ein kontroverses Vorwort verfasst: Countertenöre, so argumentiert er darin, sängen meist Musik, die eigentlich für Kastraten verfasst worden sei. Deren Stimmen aber hätten ganz anders geklungen – weshalb sollten seine Fachkollegen und er selbst sich also nicht auch in anderes Repertoire vorwagen dürfen, zu dem...
Das ganze Drama, die ganze Tragik steckt in drei Takten. Wenn man den Sextaufschwung und den fallenden Sekundschritt abzieht, mit denen die Celli, pianissimo, auf jenen berühmten Akkord hinleiten, den Wagner ins Zentrum seiner symphonisch flutenden «Handlung in drei Aufzügen» stellt, sind es sogar nur zwei Takte, die gleich zu Beginn das fatale Glück Tristans und...
«Verantwortungslose Heiterkeit, die in diesem Wirrsal ein Bild unserer realen Verkehrtheiten ahnen lässt», ist nach Karl Kraus das Wesen der Operette. Das gilt auch für Witold Gombrowicz’ 1966 entstandenes Schauspiel «Operette», ein grotesk-surrealistisches Pandämonium über die Achterbahnfahrt des 20. Jahrhunderts zwischen Klassenkampf und Faschismus, zugleich aber...
