Göttlicher Idiotismus

Osnabrück, Wiegand: Operette

Opernwelt - Logo

«Verantwortungslose Heiterkeit, die in diesem Wirrsal ein Bild unserer realen Verkehrtheiten ahnen lässt», ist nach Karl Kraus das Wesen der Operette. Das gilt auch für Witold Gombrowicz’ 1966 entstandenes Schauspiel «Operette», ein grotesk-surrealistisches Pandämonium über die Achterbahnfahrt des 20. Jahrhunderts zwischen Klassenkampf und Faschismus, zugleich aber auch eine Huldigung an die Gattung, die für den polnischen Schriftsteller mit ihrer göttlichen Idiotie das vollkommene Theater verkörperte.

Und so begegnen wir denn Figuren, wie sie die Operetten Lehárs und Kálmáns bevölkern: adeligen Schürzenjägern, senilen Hofschranzen, aufsässigen Kammerdienern, Grisetten und dem Modeschöpfer Fior, der, egal ob Revolution oder Restauration herrscht, alles dem Diktat der Mode unterwirft. Posen sind aber auch die Duelle der beiden Lebemänner Charme und Firulet, Posen ihre Verführungsversuche Albertinchens, die von der Nacktheit träumt. Unter all diesen Maskenspielen und Maskenbällen der Dekadenz, so Gombrowicz, «blutet mit lächerlichem Schmerz das verzerrte Antlitz der Menschennatur».
Gombrowicz’ Farce von der theatralischen Entblößung unserer Existenz zitiert ständig Gesang und Tanz ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2009
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Verrückt nach Oper

Man denkt nicht gleich an Oper, wenn von Malta die Rede ist. Ist es doch vor allem die Architektur aus 5000 Jahren, das unvermittelte Nebeneinander von arabischer und christlicher Kultur, von Mittelalter und Renaissance, die dieser Insel ihre touristische Anziehungskraft geben. Oper gespielt wird hier, mit Unterbrechungen, seit der Barockzeit. Malta hat einige...

Märchenpost aus Russland

Zu den schmissigen Klängen der Ouvertüre schwebt vom Bühnenhimmel eine überdimensionale Wodkakiste auf die ansonsten nackte Bühne nieder – Märchenpost aus Russland, aus deren sich öffnenden Seitenflächen die fantasievoll-farbenprächtig kostümierten Gäste der Hochzeitsfeier von Ruslan und Ludmila strömen. Was das Regie- und Ausstattungsteam mit diesem vom...

Apropos ... Wotan

Herr Uusitalo, bei der «Walküren»-Premiere an der Wiener Staatsoper versagte Ihnen im letzten Jahr auf offener Bühne die Stimme. Was fühlt man in so einem Moment?
Für mich war das natürlich ein ziemlicher Schock. Ich hatte geglaubt, ich könnte das schaffen, obwohl ich krank war – auch weil der Arzt mir grünes Licht gegeben hatte. Aber das war etwas zu optimistisch,...