Das Eis schmilzt

Ein Besuch bei der Íslenska Óperan in Reykjavík

Opernwelt - Logo

Es könnte sich gut in einem kleinen italienischen Opernhaus abspielen, was nach Cio-Cio-Sans berühmter Arie »Un bel di, vedremo« passiert: Die Primadonna steht in einem sehr konventionellen Bühnenbild auf dem Steg im Rampenlicht und schüttelt die ausgebreiteten Arme für noch mehr Bravi. Im begeisterten Publikum befinden sich augenscheinlich Claqueure, der Dirigent lässt dennoch in den Beifall hinein weiterspielen, schließlich liegen noch anderthalb Akte »Madama Butterfly« vor uns.

Tatsächlich aber befindet sich die Bühne nicht im Heimatland Puccinis, sondern direkt am arktischen Ozean. Das architektonische Wunderwerk heißt «Harpa», wurde 2011 eröffnet, ist ein Konzertsaal mit 1800 Plätzen und zugleich wichtigstes Kongresszentrum des Landes, bedeutender soziokultureller Treffpunkt und Touristenattraktion, Heimat einer kitschigen Nordlichtshow und des Iceland Symphony Orchestra. Zweimal im Jahr verwandelt sich «Harpa» in ein Opernhaus – wenn die Kompanie Íslenska Óperan eine neue Produktion herausbringt. 

Bis ins Jahr 1980 reicht die Geschichte der Oper in Reykjavík zurück. Damals gründeten einige Enthusiasten den ersten und bis heute einzigen Musiktheaterbetrieb des kleinen Landes, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Stephan Knies

Weitere Beiträge
Mediterrane Impulse

Wenn jetzt ein Erdbeben käme, man wäre an einem sicheren Ort im dichtbesiedeltsten Ballungsraum Griechenlands. Das Kulturzentrum der Stavros-Niarchos-Stiftung ist mit Isolatoren vom periodisch zitternden Untergrund getrennt. Auch an sanftere Formen der Nachhaltigkeit hat der italienische Stararchitekt Renzo Piano gedacht: Im mehr als zwanzig Hektar großen Park...

Aus dem Leben eines Zaren

Seit 2019 findet im Konzertsaal «Sarjadje» direkt neben dem Kreml das «Gergiev-Festival» statt, mit konzertanten Opernaufführungen und Symphoniekonzerten durch Orchester, Chor und Solisten des Mariinsky-Theaters. Das Publikum schätzt das Repertoire und die ausgezeichnete Qualität der Darbietungen. Das Ganze hat nur einen Haken: Das Programm wird frühestens eine...

Sieben Fragen an Annette Schönmüller

Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Bei Julia Kocis verinnerlichtem «Lazarus» in Gottfried von Einems «Jesu Hochzeit» beim Festival Carinthischer Sommer.

Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
Dort, wo es stört. 

Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
Wenn es ums Überleben geht: «Death is not the end».

Welche Oper halten Sie für überschätzt?
Jede,...