Das Eis schmilzt
Es könnte sich gut in einem kleinen italienischen Opernhaus abspielen, was nach Cio-Cio-Sans berühmter Arie »Un bel di, vedremo« passiert: Die Primadonna steht in einem sehr konventionellen Bühnenbild auf dem Steg im Rampenlicht und schüttelt die ausgebreiteten Arme für noch mehr Bravi. Im begeisterten Publikum befinden sich augenscheinlich Claqueure, der Dirigent lässt dennoch in den Beifall hinein weiterspielen, schließlich liegen noch anderthalb Akte »Madama Butterfly« vor uns.
Tatsächlich aber befindet sich die Bühne nicht im Heimatland Puccinis, sondern direkt am arktischen Ozean. Das architektonische Wunderwerk heißt «Harpa», wurde 2011 eröffnet, ist ein Konzertsaal mit 1800 Plätzen und zugleich wichtigstes Kongresszentrum des Landes, bedeutender soziokultureller Treffpunkt und Touristenattraktion, Heimat einer kitschigen Nordlichtshow und des Iceland Symphony Orchestra. Zweimal im Jahr verwandelt sich «Harpa» in ein Opernhaus – wenn die Kompanie Íslenska Óperan eine neue Produktion herausbringt.
Bis ins Jahr 1980 reicht die Geschichte der Oper in Reykjavík zurück. Damals gründeten einige Enthusiasten den ersten und bis heute einzigen Musiktheaterbetrieb des kleinen Landes, ...
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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Stephan Knies
Ein Wiener Lokalderby mit drei Premieren an drei Häusern, zwei davon mit Werken des Repertoires, eine davon als Uraufführung: Der März brachte die Fortsetzung des Mozart-Da-Ponte-Zyklus mit «Le nozze di Figaro» an der Staatsoper in der Inszenierung von Barrie Kosky, mit Philippe Jordan am Pult; am Musiktheater an der Wien blickte Regisseur David Marton mit...
Zunächst seh’n wir den Aufstieg einer schönen Frau,
Die liebt – und selbst umgarnt wird, von Diversen.
Kein Stück Musik für eine Landesgartenschau,
Regietheaterliebling der Perversen.
Auf einen Ton, da folgen stets elf weitere,
Fast wie im Fall der Männer: Mann für Mann.
Ein Maler stirbt (es gibt halt auch Gescheitere),
Man bumst mit voller Wucht auf’s Gamelan.
n...
Katerina Ismailowa ist Täterin und Opfer zugleich, Mörderin wie Beute eines liebund mitleidlosen Systems vulgärkapitalistischer Machos. Das rüde Sein bestimmt das brutale Bewusstsein. Zur Revolutionärin aber taugt Katerina nicht. Pure Langeweile treibt sie an, sich über die Leiche des herrschsüchtig-geilen Schwiegervaters hinweg das Minimum an Zuwendung zu...
