Das Bergvolk ruft
In Teilen Moskaus herrscht Grabesstimmung. Die Musiktheaterszene der russischen Hauptstadt mag sich auch wenige Wochen nach der Entscheidung kaum mit dem Gedanken abfinden, dass der schier allgegenwärtige Valery Gergiev nicht nur Generaldirektor des Bolschoi-Theaters, sondern fast zwangsläufig auch Co-Vorsitzender des Vorstands der russischen Theaterunion geworden ist. Seine Macht ist seither fast allgewaltig.
Von Macht und Machtmissbrauch erzählt in gewisser Weise auch die 1946 entstandene Oper «Große Freundschaft» des georgischen Komponisten Vano Muradeli, eines konsequenten Anhängers des sozialistischen Realismus. In der damaligen Sowjetunion war das Stück dreimal am Bolschoi-Theater zu sehen. 1948, nach Stalins Besuch der dritten Aufführung, wurde es verboten. Und spätestens nach der Resolution zum Kampf gegen den Formalismus (in der auch Prokofjew und Schostakowitsch erwähnt wurden) versuchte niemand mehr, die «Ehre» von Muradelis Meisterwerk wiederherzustellen.
Warum verbot Stalin die Oper? Ging es darin wirklich um den Kampf gegen den Formalismus? Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass die Hauptfigur ein Ingusche ist und dass es sich bei der «großen Freundschaft» um die ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Alexej Parin
Das Leben auf einer Bohrinsel ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Zur körperlichen Schwerstarbeit kommt das Gefühl völliger Isolation, gegen das anzukämpfen hat, wer monatelang auf einem Stahlungetüm mitten im Meer von Freunden und Familie getrennt ist. Noch ungemütlicher freilich wird es, wenn dort ein raffgieriger Tyrann das Sagen hat. Barbora Horáková lässt...
Die Schwarzweiß-Fotografie im Programmheft zeigt eine hübsche junge Frau, Frisur und Kleidung ganz im Stil der frühen 1940-er Jahre. Sie lächelt jugendlich-frisch, leicht verlegen in die Kamera, und es fällt schwer zu begreifen, dass sie nur wenige Jahre nach der Aufnahme nicht mehr leben durfte – in den Tod getrieben von Nazi-Deutschland und seinen französischen...
Im Anfang ist, nein, nicht das Wort. Im Anfang ist die Musik. Eine zarte, sirenengleich aus dem Graben ansteigende, sich nach und nach intensivierende Melodie des Violon -cellos schwebt durch den Saal, bald begleitet vom sanften Schnarren des Schlagzeugs. Auf einer ständig hin und her flackernden Bildprojektion (Video: Jan Isaak Voges, Live-Kamera: Daniel Sorg)...
