Wo ist der Zauber?
Während (nicht nur) in Moskau noch ausgiebig darüber diskutiert wurde, was es bedeutet, dass Valery Gergiev demnächst auch Intendant des Bolschoi-Theaters wird, brachte das Haus zwei bereits angekündigte Premieren heraus. Auf der großen Bühne wurde Francisco Cileas «Adriana Lecouvreur» aufgeführt. Sofort stellte sich die Frage, ob uns heute, in den Tagen, Wochen, Monaten (und bald auch Jahren) des blutigen Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine, die darin erzählte, herzzerreißende Liebesgeschichte berühren könnte. Die Inszenierung berührte uns jedenfalls nicht.
Die Regie des er -fahrenen Jewgeni Pissarew begnügte sich mit der geschickten Anordnung der Figuren im virtuosnichtssagenden Bühnenbild von Zinovy Margolin und den schicken, eine flügellose Vielfalt bekundenden Kostümen Viktoria Sevryukovas. Die Solistinnen und Solisten sangen durchaus anständig, aber es glänzten keine Sterne am Himmel. Dinara Alieva, die keine echte Primadonna ist, bemühte sich zumindest gegen Ende, die Titelrolle abwechslungsreich zu gestalten.
Immerhin gab es zwei Personen, die «das Wetter machten». Vladislav Sulimsky verzauberte das Publikum als Michonnet nicht nur mit Aufrichtigkeit und ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Alexej Parin
Pergolesis heiteres Intermezzo «La serva padrona» schlug 1752 in Paris wie eine Bombe ein. Die davon ausgelöste «Querelle des bouffons», bei der es um die von Rousseau aufgeworfene Frage ging, ob man die französische Sprache überhaupt vertonen und singen könne, hielt das intellektuelle Paris in Atem. Es blieb einem Italiener, dem aus Parma kommenden Egidio Duni...
Es gibt ein paar Regeln des Betriebs, die bei Adriana González sogleich außer Kraft traten. Eine davon lautet, dass es für junge Sängerinnen und Sänger gut ist, sich zunächst in einem Ensemble zu entwickeln, Sicherheit zu bekommen. Eine andere, die damit zusammenhängt, lautet, dass es für junge Sängerinnen und Sänger gut ist, das Repertoire nicht hektisch, aber...
Es ist außerordentlich vorteilhaft, wenn ein Opernhaus über eine hauseigene Barock-Combo verfügt, um Werke «Alter Musik» aufzuführen. Das Opernhaus Zürich hat das Orchestra La Scintilla, das, auf historischen Instrumenten, den Begriff eigentlich herrlich konterkariert: Nichts ist da alt, sondern alles umwerfend frisch. Und somit ein großes Vergnügen, es mit Rameaus...
