Das andere Geschlecht
Es ist nur ein Blick, kurz, flüchtig, beiläufig. Man könnte ihn, wäre man für Sekunden unaufmerksam oder abgelenkt, sogar übersehen. Doch Vorsicht ist geboten. In diesem Blick steckt weit mehr als eine knappe Beobachtung; eine ganze Anschauung ist darin verborgen. Und für mein Thema überaus wichtig: Es ist der Blick einer Frau, der einer anderen Frau gilt. Und keine kann derart weltverschlingend ihre Augen in andere Menschen hinein versenken wie Charlotte Rampling, so tiefliegend und hochfahrend, so durchdringend und verführerisch-vernichtend.
Das «Opfer» einer solchen Versenkung ist im konkreten Fall die von Ludivine Sagnier gespielte Julie. Aber die weiß das noch gar nicht. Oder sie nimmt es nur gelangweilt zur Kenntnis, dass sie gerade gehäckselt wird von Ramplings stahlblauen Augen. Sagnier ist Julie in diesem Film von François Ozon aus dem Jahr 2003, eine verzogene, dabei aber irgendwie verloren wirkende Verlegertochter, die ihren wohlgeformten Körper gezielt einsetzt, um Spannung, Distanz und Begehren zu erzeugen. Sarah Morton, eine englische Krimiautorin, die von Charlotte Rampling so grandios gespielt wird, dass man schon nach fünf Minuten vergessen hat, dass Sarah Morton ...
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Opernwelt März 2021
Rubrik: Focus Spezial, Seite 4
von Olga Myschkina
Mozart schrieb sein einziges Oratorium «Betulia liberata» im Frühsommer 1771 zwischen der ersten und zweiten Italienreise. Der Auftrag kam aus Padua, dort wurde das Werk aber nie aufgeführt. Das über 50 Mal, zuletzt 1821 von Antonio Salieri vertonte Libretto der für die Karwoche bestimmten «Azione sacra» stammt von Metastasio. Der vielfach in Literatur, Malerei und...
Herr Hilsdorf, was fällt Ihnen spontan zum Thema Heimat ein?
Ein Gedicht von Joseph von Eichendorff. «Aus der Heimat hinter den Blitzen rot, / Da kommen die Wolken her, / Aber Vater und Mutter sind lange tot, / Es kennt mich dort keiner mehr.» Robert Schumann hat die Verse vertont, im ersten Lied aus seinem Liederkreis op. 39. Das Stück steht in fis-Moll und weist...
Kaum hat man dieses Buch beglückt aus der Hand gelegt, kommt dem Leser jener legendäre Satz aus Theodor Fontanes Roman «Effi Briest» in den Sinn, zu dem Effis Vater stets dann greift, wenn er unangenehmen Diskussionen mit seiner Tochter entfliehen will. Dieses oder jenes sei, so der alte Briest, doch ein «weites Feld». Oswald Panagl, beinahe drei Jahrzehnte lang...
