Chance verpasst
Vor 80 Jahren begann die Metropolitan Opera damit, Nachmittagsvorstellungen ihrer
Produktionen im Rundfunk zu übertragen – damals noch auf nationaler Ebene. Die Besetzungszettel lesen sich wie ein «Who’s who?» der Oper des 20. Jahrhunderts. Kein Wunder also, dass die erhaltenen Bänder schon in Zeiten der Langspielplatte kommerziell verwertet wurden und mit Beginn der CD-Ära einen regelrechten Boom auslösten.
Vieles erschien auf dem «Grauen Markt», doch es gab auch offizielle Veröffentlichungen bei Columbia, die später in den Fundus der Firma Sony übergingen, die jetzt eine neue Edition mit Aufnahmen überwiegend aus der Ära Rudolf Bings gestartet hat. Die ersten acht Titel liegen vor, interpretatorische Sternstunden darf man nur in wenigen Fällen erwarten, Stimmenfeste sind jedoch immer garantiert.
«Roméo et Juliette» mit Jussi Björling und Bidù Sayão (1947) wurde schon von verschiedenen Labels als CD veröffentlicht, ist sozusagen ein Klassiker und keine Premiere, wie die Firma behauptet. Die übrigen Aufnahmen sind tatsächlich neu auf dem deutschen Markt. Trotzdem ist ihr Sammlerwert nur bescheiden, echte Entdeckungen sind nicht darunter. Der Spielplan der Met hielt sich von jeher an ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Medien/CDs, Seite 29
von Ekkehard Pluta
An Ausgrabungen auf dem Gebiet der romantischen Belcanto-Oper hat es in den letzten Jahrzehnten wahrlich nicht gefehlt. Keine der etwa 80 Opern Gaetano Donizettis ist gänzlich unbeachtet geblieben, Saverio Mercadante und Giovanni Pacini sind heute jedem ernsthaften Opernfreund ein Begriff und zahlreiche vorher namenlose Kleinmeister wieder ins Gedächtnis...
Es leuchtet ein, dass sich Antonio Pappano im Zuge seiner frisch entdeckten Rossini-Begeisterung zunächst «Guillaume Tell» zugewandt hat: Schließlich steht der «Tell» als französische Grand Opéra eines emigrierten Italieners für die Symbiose aus italienischen Wurzeln und musikalischem Weltbürgertum, die auch den in Großbritannien und den USA aufgewachsenen...
Kultur scheint die Passion der Politiker – sie verfolgen sie. Dabei geht es in der Regel um vergleichsweise geringe Beträge. Doch wird die Sparschraube mit Vorliebe dort angesetzt, wo die Gefahr einer Auswirkung auf die Wählerarithmetik am geringsten ist. Wie zur Zeit bei der Wiener Kammeroper, die aufgrund von Subventionsengpässen ums Überleben kämpft – ein Brand,...
