Ägyptische Hamlet-Variante
Der Schock kam nach der Ouvertüre. Sämtliche Rezitative waren gestrichen. Das Mozart-Festival A Coruña traute sich nicht, dem Publikum Domènec Terradellas’ (1713-1751) letzte Oper «Sesostri» in voller Länge zuzumuten. Dabei ist es der dramatische Instinkt, der die Musik des durch Juan Battista Otero und seine Reial Companyia Opera da Cambra Barcelona der Vergessenheit entrissenen katalanischen Barock-Komponisten unverwechselbar macht (siehe OW 8/2009). Das hörte man schon der mit Flötenseufzern und rhetorisch eingesetzten Instrumentalfarben ungewöhnlich expressiven Ouvertüre an.
Sie fasst das Affekt-Spektrum der im Pharaonen-Milieu spielenden «Hamlet»-Variante wie eine sinfonische Dichtung zusammen. Zu hören war allerdings auch, dass das Orchester nur vier Proben hatte. Besonders Blech- und Holzbläser hatten zu kämpfen. Drei der sechs Protagonisten waren gegenüber der auf CD vorliegenden ungekürzten Version (RCOC 1102.3/Vertrieb: Harmonia Mundi) ausgetauscht.
So fand das Drama nur rudimentär statt. Die Arien schwebten wie wunderschöne Rokoko-Blasen im leeren Raum. Apostolo Zeno, der sich als Historiker verstand, hatte das Libretto auf der Grundlage eines einzigen Satzes aus Herodots ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Boris Kehrmann
ARTE
1.8. – 6.00 Uhr
Mozart in Aix-en-Provence.
Arienrezital der Stipendiaten für Gesang und Piano der «Académie européenne de musique».
1.8. – 10.05 Uhr
Wanderer ohne Ruhe.
Film von Bruno Monsaingeon über den polnisch-ungarischen Pianisten Piotr Anderszewski.
2.8. – 5.00 Uhr
Die Schönheit der Stimme.
Film von Sabine Gisiger über drei Sänger des Opernstudios Zürich, die von...
An Ausgrabungen auf dem Gebiet der romantischen Belcanto-Oper hat es in den letzten Jahrzehnten wahrlich nicht gefehlt. Keine der etwa 80 Opern Gaetano Donizettis ist gänzlich unbeachtet geblieben, Saverio Mercadante und Giovanni Pacini sind heute jedem ernsthaften Opernfreund ein Begriff und zahlreiche vorher namenlose Kleinmeister wieder ins Gedächtnis...
Es war ohne Frage eine glänzende Spielzeit des Théâtre de la Monnaie in Brüssel: beginnend mit Janáceks «Katja Kabanova» (inszeniert von Andrea Breth), fortgesetzt mit «Parsifal» (bei dem Roberto Castellucci sein Operndebüt gab und Hartmut Haenchen dirigierte) bis hin zu diesem Finale: Meyerbeers «Les Huguenots» in einer Fassung, wie sie selbst der Komponist so...
