Ägyptische Hamlet-Variante
Der Schock kam nach der Ouvertüre. Sämtliche Rezitative waren gestrichen. Das Mozart-Festival A Coruña traute sich nicht, dem Publikum Domènec Terradellas’ (1713-1751) letzte Oper «Sesostri» in voller Länge zuzumuten. Dabei ist es der dramatische Instinkt, der die Musik des durch Juan Battista Otero und seine Reial Companyia Opera da Cambra Barcelona der Vergessenheit entrissenen katalanischen Barock-Komponisten unverwechselbar macht (siehe OW 8/2009). Das hörte man schon der mit Flötenseufzern und rhetorisch eingesetzten Instrumentalfarben ungewöhnlich expressiven Ouvertüre an.
Sie fasst das Affekt-Spektrum der im Pharaonen-Milieu spielenden «Hamlet»-Variante wie eine sinfonische Dichtung zusammen. Zu hören war allerdings auch, dass das Orchester nur vier Proben hatte. Besonders Blech- und Holzbläser hatten zu kämpfen. Drei der sechs Protagonisten waren gegenüber der auf CD vorliegenden ungekürzten Version (RCOC 1102.3/Vertrieb: Harmonia Mundi) ausgetauscht.
So fand das Drama nur rudimentär statt. Die Arien schwebten wie wunderschöne Rokoko-Blasen im leeren Raum. Apostolo Zeno, der sich als Historiker verstand, hatte das Libretto auf der Grundlage eines einzigen Satzes aus Herodots ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Boris Kehrmann
Schon 1936 wurde mit der Gründung des Palestine Symphony Orchestra der Grundstein für das heutige Israel Philharmonic Orchestra gelegt. Das Konzertangebot in Jerusalem und vor allem Tel Aviv war immer und ist nach wie vor attraktiv. Doch die Oper hatte es nicht leicht. Das lag zunächst an der besonderen Situation des jungen Staates, der Pionier- und...
Die Werkgeschichte ist so kompliziert wie die Zeit, in der Schostakowitschs Oper «Lady Macbeth von Mzensk» zur Welt kam. Nach der Premiere 1934 wurden im Folgejahr die ersten (Text-)Änderungen vorgenommen, bevor die Oper nach dem Prawda-Aufsatz «Chaos statt Musik» erst einmal auf dem Index landete und erst 30 Jahre später in einer von Schostakowitsch weiter...
Herr Lucic, Inszenierungen des «Macbeth» spielen häufig in einer Ostblock-Diktatur. Sie sind in einer Ostblock-Diktatur groß geworden. Sehen Sie auch diese Parallele?
Ich würde das nicht vergleichen. Für mich ist Macbeth einfach eine verrückte, blutige Figur, die im Grund ganz unsicher ist. Ich sehe ihn auch nicht als zutiefst bösen Menschen. Für mich erklärt sich...
