In der Popkultur von heute
Die permanente Androhung von Missbrauch, Vergewaltigung und Mord kann Menschen mürbe machen. Auch Cleopatra ist am Ende von Händels «Giulio Cesare» schier wahnsinnig geworden vor Todesangst und kann ihre letzte Arie nur scheinbar fröhlich trällern – wie ein Kind, das es schaudert, in den Keller zu gehen. Diese Cleopatra zittert am ganzen Leib, will sich nicht einmal mehr von Cesare berühren lassen. Der aber, fast ertrunken, hat auch schon Totentänze gesehen, während er um das Labsal barmherziger Winde bat.
Und so klingt das Final-Duett der beiden – samt der großen, sich verzweifelt hochschraubenden Kadenz – wie ein letzter Versuch, einander zu finden. Danach kein affirmativer Schlusschor, sondern nur dessen instrumentale Begleitung und leere Gesichter. Ein berührender, durchaus auch in der Musik angelegter Schluss.
Bei Karoline Gruber und ihrer lustvoll mit Farben wie Materialien spielenden Kostümbildnerin Henrike Bromber entspringen die Figuren Händels einer stilisierten Popkultur von heute. Da begleiten die um ihren ermordeten Mann trauernde Cornelia (etwas steif in ihrer abendfüllenden Trauer: Yvi Jänicke) bleichgesichtige Grufties wie ihr Sohn Sesto (gesundheitlich ...
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