Der Blick zurück

Im Amphitheater von Epidaurus präsentiert die Griechische Nationaloper eine «reimagined production» der legendären Aufführung von Cherubinis «Médée» mit Maria Callas in der Titelrolle

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Er ist im Wald, in Hörweite zum sich einspielenden Orchester, er ist um die antiken Mauern, auch weit weg vom Amphitheater, und im Marketing der Griechischen Nationaloper ist er sowieso allgegenwärtig: Der Genius Loci ist an sämtlichen Ecken und Enden auf dem Gelände des Asklepios-Heiligtums im griechischen Epidaurus spürbar. Aber – er erscheint nicht in Form eines Bildhauers, einer Natur-Gottheit, eines Tragödiendichters oder einer ähnlichen typischen Genius-Loci-Inkarnation. Er erscheint als Schatten der Maria Callas.

Natürlich wurde da ein klein wenig nachgeholfen: Großzügig zwischen den Bäumen verteilte Videound Klanginstallationen namens «Callas Point» zeigen ihr in Mascara gefasstes Auge, den zum Singen offenen Mund, überall flackern in Teilen verfremdete Sound-Schnipsel aus Aufnahmen der Primadonna assoluta, ihrer Stimme entkommt man nirgendwo. Ist man dann über die kleine staubige Ausgrabungsstätten-Straße und schön angelegte Pfade angekommen im 12.000 Menschen fassenden Amphitheater zu Epidaurus, kann die Phantasie gar nicht anders, als eine Zeitreise anzutreten ins Jahr 1961: Damals sang Maria Callas genau hier, die Photos und Sound-Schnipsel wurden an Ort und Stelle ...

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Opernwelt August 2026
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Stephan Knies

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