Ewiges Schmerzenskind
Wenn jemand 24 Jahre an einem rund siebzigminütigen Werk arbeitet, dann wird das Gründe haben. Im Fall von Hanns Eislers «Deutscher Symphonie» hat das auch mit dem mehrfachen Nichtzustandekommen einer geplanten Uraufführung zu tun. Der Komponist irrte bekanntlich – überall aneckend – durch mehrere politische Systeme, war im Dritten Reich verfemt, im US-Exil als Kommunist gebrandmarkt. Wiederentdeckt wird mittlerweile vor allem sein umfangreiches Œuvre in der Gattung Lied.
Das große Schmerzenskind freilich, seine auch als «Konzentrationslagersymphonie» benannte und bekannte «Deutsche Symphonie» mixt in elf Teilen Geschicht -liches, Aufrufe zum Widerstand gegen (rechte) Autoritäten, ist aber zum Teil auch Selbstreflexion des Schöpfers. So etwa in einem Intermezzo, einer Etüde für Orchester, die einen melancholischen Erinnerungsraum schafft, geprägt von Hoffnungslosigkeit, Desillusionierung, dem Wunsch, aufzugeben. Agitatorisch gerät das «Begräbnis des Hetzers im Zinksarg», hier wird das Töten eines Antifaschisten durch die entsprechenden Kontrahenten gezeigt, als satirisch überdrehte, überhöhte Miniszene, fast im Stil von Schostakowitsch.
Auf der Bühne des Kasseler Interim (wo ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Jörn Florian Fuchs
Nicht alles war grausam im Theater von Antonín Artaud. Auch die (klingende) Poesie besaß dort einen Sitzplatz, vielleicht versteckt in einem Winkel der oberen Ränge, aber doch deutlich spürbar. Beleg ist jene Sentenz des französischen Schauspielers, Dramatikers und Theoretikers, mit dem er die Faszination und Magie der Darstellenden Künste, die an diesem Ort...
Den Anachronismus jedweder Aufführung von Musik, die mehr als zwei, drei Generationen alt ist, demonstriert verblüffend, irritierend – jedenfalls viele Fragen aufwerfend – der Countertenor Jakub Józef Orliński mit seinem Album «if music…». Unter der Prämisse stilistischer Kohärenz hebt er radikal die Wahl der Mittel auf.
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