Britten: Albert Herring
Die Konzertmuschel, die die Drehbühne füllt, grünt pistazienpastell. Die Liegestühle davor sind zahnpastamintfrisch bespannt, der Rundhorizont dämmert oliv – als ob Ang Lees grüner Superheld Hulk auf der Bühne der Komischen Oper zerplatzt wäre. Davor leuchtet es bonbonrosa, hellblau, lila, gelb, knallpink, türkis. Petticoats, Turmfrisuren, viel Kleinkariertes, auch bei den Stoffen. Und blickdichte, schlecht sitzende braune Strumpfhosen für die Haushälterin Florence Pike. Fünfziger Jahre. Mal wieder.
Neben den Sechzigern und Siebzigern nach wie vor die beliebteste Dekade für Regisseure und Ausstatter, die der Überzeugung sind, durch Zeitverschiebung ein Stück neu erfinden zu können.
Willy Decker und sein künstlerischer Dauerpartner Wolfgang Gussmann haben «Albert Herring» an der Komischen Oper herausgebracht. Und nur ein bisschen schieben müssen, um in den Fünfzigern zu landen. Denn das spröde, von musikalischen wie dramaturgischen Durststrecken nicht freie Stück, wurde 1947 uraufgeführt. Decker hat genau gearbeitet. Und ganz schön überzeichnet. Jede Figur ist eine Karikatur, das Ganze eine Klamotte mit doppeltem Boden. Die fünfziger Jahre waren bigott. Nach außen blitzsauber und ...
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