Boyleske
Die Geschichte ist ja nicht ohne. Getäuscht sieht sich am Ende nicht nur Ihre Hässlichkeit, die Sumpfnymphe Platée. Überlistet wird auch Junon, die Jupiter mit ihrer notorischen (und durchweg begründeten) Eifersucht verfolgt. Das Ganze kam anno 1745 zur Unterhaltung und Erbauung auf die Bühne von Versailles, in Form einer ebenso virtuosen wie vielschichtigen Ballettoper, die zweifellos die Zustände am französischen Königshof parodiert, sie aber vorsichtshalber in den Bereich der Fabel verweist.
All das verständlich ins Hier und Heute zu übertragen, ist eine Herausforderung, die man nicht unbedingt einem Debütanten anvertrauen mag. Stijn Celis, am Saarländischen Staatstheater als Ballettdirektor im Amt, stellt sich ihr trotzdem und beweist damit zumindest: Mut. Die Courage eines Choreografen, dem das eigene Metier nicht mehr genügt. Das ist der Inszenierung zunächst nicht unbedingt anzumerken; der Belgier eröffnet die Aufführung mit einem bewegungsintensiven Prolog. Das mythische Personal ist zwar als solches noch erkennbar, aber die Satyrn und Mänaden geben sich punkig halbgescheitelt durchaus als unsere Zeitgenossen. Austauschbar auch die halbnackten Männer und Frauen, die ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Hartmut Regitz
Immer wieder kann man lesen, bei der Berliner Erstaufführung von Spontinis monumentaler Oper «Olimpia» sei 1821 ein leibhaftiger Elefant aufgetreten. Das ist schlicht erfunden: Zwei kräftige Statisten halfen einer Attrappe auf die Beine. Anne Henrike Wasmuths Dissertation räumt nicht nur mit dieser «urbanen» Legende auf, sondern mit vielen Fehlurteilen über...
Hieße der Komponist nicht Verdi – niemand würde dieses Stück spielen. Weder die 1843 für Mailand als Remake des «Nabucco»-Sensationserfolgs geschriebenen «I Lombardi alla prima crociata» noch die 1847 für Paris umfrisierte Version «Jérusalem». Die für die Neufassung verantwortlichen Librettisten übernahmen das Kreuzzugs-Ambiente, verwandelten aber die Lombarden in...
Viele Jahre sprang an Berlins Staatsoper René Jacobs mit Barockopern in die Bresche, wenn Daniel Barenboim mit der Staatskapelle auf Reisen ging – und triumphierte. Verflossene Zeiten. Diesmal, das Orchester weilte in Japan, zelebrierte man im Ausweichquartier Schiller Theater den «Mord an Mozart»: ein extravaganter Musiktheater-Versuch, eine Collage aus...
