Editorial

Opernwelt - Logo

Nächstes Jahr ist Schluss. Schluss mit den anstrengenden, zeitraubenden Auftritten auf der Opernbühne. Die Marschallin will Renée Fleming noch einmal geben, in der kommenden Saison, wenn Christoph Waltz seine «Rosenkavalier»-Inszenierung aus Antwerpen an Covent Garden auffrischt (mit Andris Nelsons am Pult). Und dann ein letztes Mal an der Met. «Niemand soll sagen können, dass ich dieses oder jenes vor fünf Jahren besser gesungen habe», erklärte Fleming dem britischen «Telegraph».

Obwohl – ein neues Stück, womöglich mit einer eigens für sie geschriebenen Partie, das würde sie doch reizen.

Schon vor zwei Jahren hatte Fleming in «Opernwelt» leise Zweifel an einem Mainstream-Produktionsbetrieb angedeutet, der sich auf wenige etablierte Werke stütze. In der Wiederholungsschleife frisch halten könne sie eine Rolle nur, indem sie «immer wieder etwas anderes mache», befand die Star-Sopranistin damals (siehe OW 4/2014). Gerade hat sie ihren 57. Geburtstag gefeiert, kein Alter eigentlich für den Opernruhestand. Gleichwohl kommt der Rückzug von den «Olympics of music» nicht überraschend: Die Marschallin in Wien und Washington, Arabella in Salzburg und Dresden, die «Capriccio»-Gräfin in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2016
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff & Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Multiple Ströme

Europa hat ausgedient. Die blaue Sternenflagge taugt nur mehr als Tischtuch, als Unterlage für fettige Pommes und ein Sixpack Bier. Hamlet und Ophelia sitzen, mampfen und würgen. Zu sagen haben sie sich nichts, das Angebot von früher – «Lass mich dein Herz essen, Ophelia» – interessiert nicht mehr. Die Geschichte: ein Schlachtfeld. Der Mensch: verloren in Trümmern....

Keine Angst vor großen Gesten

Frau Schmidt-Futterer, Ihre Zunft kommt auf dem Besetzungszettel meist an vorletzter Stelle. Einige Regisseure sehen das Kostüm als notwendiges Übel, viele scheinen sich regelrecht davor zu fürchten. Oder täuscht der Eindruck?
Nein, diese Angst beobachtet man tatsächlich oft. Entwickelt hat sie sich, als einzelne Kostümbildner den Kittel und die...

Zuletzt die Queen

Die aktuellste Pointe des Stücks kommt am Schluss. Gangsterboss Macheath, genannt Macky Messer, zündet damit beinahe einen virtuellen Sprengsatz: «Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?» Fast 88 Jahre nach der Uraufführung der «Dreigroschenoper» trifft die Behauptung der Herren Brecht und Weill, ein Bankraub sei ein Fingerschnippen gegen...