Kampfzone Oper
Mit dieser Helikoptermutter sollte man sich besser nicht anlegen. Die Titelheldin von Donizettis Komischer Oper «La Mamma!» ist eine echte Teufelsmama, die sofort die Krallen ausfährt, wenn es um den Nachwuchs geht. Um ihre Tochter, die gerade ihr erstes Engagement als Sopranistin antritt, in die beste Startposition zu bugsieren, mischt sie den Theaterbetrieb mächtig auf. An Durchsetzungskraft mangelt es dieser Übermutter nicht – der Komponist hat die Rolle schließlich für Bassbariton geschrieben.
Eine wahre Bravourpartie für Hovhannes Karapetyan, der in der Inszenierung von Wolfgang Nägele den Wischmopp schwingt und alle Widerstände kernig aus dem Weg walzt.
Donizettis Opera buffa nimmt die Theaterwelt mit all ihren Klischees ins Visier. Uraufgeführt wurde das Stück unter dem Titel «Le convenienze ed inconvenienze teatrali» 1831 in Mailand. Vier Jahre zuvor hatte der Komponist das Werk bereits als Einakter vorgelegt und es später um einen zweiten Akt erweitert. Die in Vergessenheit geratene, erst 1960 wiederentdeckte Oper findet sich auf deutschen Spielplänen heute meist in inhaltlich stark veränderter Übersetzung unter dem Titel «Viva la Mamma». In Wiesbaden setzt man nun wieder ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Silvia Adler
Ein tödlicher Zusammenbruch Giacomo Puccinis bei «Nessun dorma», ein ähnlich letaler Moment Carl Maria von Webers während des Jägerchors, das wären vergleichbare Geschehnisse. Wir wissen: Nichts davon ist passiert. Auch nicht der Exitus des in Ekstase geratenen Alexander Borodin während seiner berühmtesten Nummer, der «Polowetzer Tänze». Für bange Sekunden werden...
Dass Pjotr Iljitsch Tschaikowsky schwul war, ist selbst im lebensbedrohlich homophoben Russland kein Geheimnis mehr, auch wenn diese Facette seines Lebens dort nicht nur von konservativen Kreisen lautstark angezweifelt wird. Im Krisenjahr 1877, als er bereits über seinem «Eugen Onegin» brütete, heiratete Tschaikowsky eine seiner Schülerinnen, um den...
Dass die maßlose Anzahl an Mordtaten selbst dem Tod zu viel werden könnte, ist ein eindrucksvoller Gedanke. Es sagt mehr über das Morden als über den Tod, der gewiss ein Berufsteilnehmer mit Ehre im Leib oder im Knochengerüst ist. Ein Streik des Todes hat auch etwas unheimlich Komisches. Es ist schlecht für Mörder, es düpiert Tyrannen.
In Viktor Ullmanns Oper «Der...
