Kampfzone Oper
Mit dieser Helikoptermutter sollte man sich besser nicht anlegen. Die Titelheldin von Donizettis Komischer Oper «La Mamma!» ist eine echte Teufelsmama, die sofort die Krallen ausfährt, wenn es um den Nachwuchs geht. Um ihre Tochter, die gerade ihr erstes Engagement als Sopranistin antritt, in die beste Startposition zu bugsieren, mischt sie den Theaterbetrieb mächtig auf. An Durchsetzungskraft mangelt es dieser Übermutter nicht – der Komponist hat die Rolle schließlich für Bassbariton geschrieben.
Eine wahre Bravourpartie für Hovhannes Karapetyan, der in der Inszenierung von Wolfgang Nägele den Wischmopp schwingt und alle Widerstände kernig aus dem Weg walzt.
Donizettis Opera buffa nimmt die Theaterwelt mit all ihren Klischees ins Visier. Uraufgeführt wurde das Stück unter dem Titel «Le convenienze ed inconvenienze teatrali» 1831 in Mailand. Vier Jahre zuvor hatte der Komponist das Werk bereits als Einakter vorgelegt und es später um einen zweiten Akt erweitert. Die in Vergessenheit geratene, erst 1960 wiederentdeckte Oper findet sich auf deutschen Spielplänen heute meist in inhaltlich stark veränderter Übersetzung unter dem Titel «Viva la Mamma». In Wiesbaden setzt man nun wieder ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Silvia Adler
Exakt 200 Jahre nach seiner Londonder Uraufführung 1724 ging Händels «Tamerlano» erstmals wieder über die Bühne – in Karlsruhe. Nun, bei der Eröffnungsinszenierung der Händelfestspiele, gibt Kobie van Rensburg den Gesamtkunstwerker: Er hat Raum und Kostüme entworfen, er inszeniert, und er kreiert mit Hilfe von KI-Programmen diverse Bildebenen.
Die Illusionswelten...
Ach ja, das Ende. Heiß umstritten ist es bis heute, ziemlich genau 100 Jahre nach der politisch brisanten Uraufführung an der Mailänder Scala – Arturo Toscanini hatte sich für den Fall, dass Benito Mussolini im Saal sitzen und zu dessen Ehre die Hymne der Faschisten, die sogenannte «Giovinezza», gespielt werden würde, geweigert, den Abend zu dirigieren, und ging...
Weil hier die Männer das Wort führen, setzt die Regisseurin Elisabeth Stöppler unmittelbar einen Akzent. Zum Vorspiel zeigt sie Eva, die Tochter des megareichen Pogner, in einem schmalen White Cube als Intellektuelle: Kurzhaarfrisur, Schülerin von Hans Sachs, dem Poetik-Professor im Nebenberuf, der ihr eben ein Lied verreißt. «Fanget an! So rief der Lenz in den...
