Blutige Blütenblätter

In der Überzeichnung liegt die Kraft, in der Musik Magie: Verdis «Ernani» und Puccinis «Madama Butterfly» in deutscher Fassung bei den Bregenzer Festspielen

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Jede Zeit hat ihre Geschichten. Wobei sich die Beziehungsdramen, von anno dunnemals bis in die Gegenwart, im Kern gar nicht so sehr unterscheiden. «Ein Jüngling liebt ein Mädchen, / die hat einen anderen erwählt …» In Giuseppe Verdis «Ernani» sind es gleich drei Männer, die ein- und dieselbe Frau begehren. Aber nur einen davon, den jüngsten und schönsten, liebt Elvira. Ernani, als verstoßener Adliger zum Banditen geworden, ist der Robin Hood ihres Herzens. Er sinnt auf Rache, Gerechtigkeit – und Liebe.

Dass so einer ein heroischer Tenor sein muss, werden wir bei Verdi immer wieder erleben. Sein Kontrahent Don Carlo ist ein brutaler Machtmensch und Macho. Als im Verlauf des Dramma lirico zum Kaiser Karl V. gekrönter Monarch bestimmt er seine Regeln selbst. Zum Beispiel, dass er gleich im ersten Akt ins Gemach der begehrten Elvira eindringt und nur durch die Intervention Ernanis von seinem unflätigen Ansinnen abgehalten wird. Wodurch sich der Tenor den Bariton zum Feind macht. Aber nicht zum einzigen. Denn eigentlich ist die junge Dame einem weit Älteren versprochen: Don Ruy Gomez de Silva, Grande von Spanien. Der Bass wird zum entscheidenden Feind Ernanis: Zwar schützt er diesen aus ...

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Opernwelt 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Alexander Dick

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