Blick zurück nach vorn
Die so genannte «Literaturoper» hat bekanntlich nicht den besten Ruf.
Zwar bleibt der Bedeutungsumfang des viel gebrauchten Begriffs meist im Ungefähren: Taucht das Phänomen der Adaption etablierter literarischer Sujets erst mit Debussys «Pelléas et Mélisande» und Strauss’ «Salome» auf oder fallen, um nur ein früheres Beispiel zu nennen, schon Verdis «frei» nachgedichtete Schiller-Opern unter diese Kategorie? Gleichwohl ist ein bald unterschwelliges, bald offen artikuliertes Unbehagen an der Zweitverwertung bewährter Romane, Novellen oder Theaterstücke für die Opernbühne weit verbreitet. Warum, so die entscheidende Frage, sollte ein poetischer Text, der für sich spricht, einer Vertonung bedürfen? Worin sollte der ästhetische Mehrwert einer Praxis bestehen, die eine Musikalisierung von Sprachkunstwerken betreibt, ohne dem Musiktheater wirklich neue Wege zu weisen? Fristet die «Literaturoper» nicht bloß eine parasitäre Existenz? Hängt ihr Leben, ihre Ausstrahlung nicht allein von der Substanz der Vorgaben ab, die sie ausschlachtet, ohne diesen ein Eigenes, ein Unverwechselbares hinzuzufügen?
Um Missverständnissen vorzubeugen: Natürlich könnte man viele zeitgenössische ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Er kann es noch. Und wie! Während die Berliner Staatsoper gerade seinen Wagner-Zyklus demontiert (und die Komische Oper seinen Mozart-Zyklus entsorgt), hat Harry Kupfer an der Finnischen Nationaloper «Parsifal» inszeniert. Das Bühnenbild stammt, wie könnte es anders sein, von Hans Schavernoch. Und erinnert mit seiner hydraulisch erigierenden Speerspitze, auf der...
Die bühnenfüllende, bis ins Orchester sich hinabschwingende Freitreppe (Ausstattung: Sibylle Schmalbrock) wäre wie gemacht für den dritten «Arabella»-Akt. Sie signalisiert eher intaktes Großbürgertum, als dass sie die zwischen Traum und Wirklichkeit changierenden Brechungen dieses auf Jean Genet zurückgehenden Operneinakters des Schweden Peter Bengtson wiedergeben...
Vermutlich ist Bjarní Daníelsson der einzige Opernintenant der Welt, der während der Theaterferien ein Restaurant betreibt. Mindestens drei Sommerwochen hat Bjarní – in Island redet man sich grundsätzlich mit dem Vornamen an, selbst das Telefonbuch ist nach Vornamen geordnet – jedes Jahr für den Küchendienst reserviert. Und das kam so: Auf einem Segeltörn mit...
