Blick von außen
Die Reflexe kommen bei manchen schnell. Jaroussky, wunderbar – aber mit Solokantaten von Bach? Welcher deutsche Counter würde sich, beispielsweise, an ein Album mit französischen Vertonungen von Verlaine wagen, wie es Jaroussky so hinreißend gelang? Andererseits: Pourquoi pas? Natürlich hört man, dass Deutsch nicht die Muttersprache des 38-jährigen Sängers ist. Aber man hört es positiv – an der Übergenauigkeit, mit der etwa die Vokale «ü» und «i» unterschieden werden, und am melodischen Sprachempfinden.
Teutonische Konsonantenballungen wie «Fluch und Freundschaft» stehen da nun mal der Clarté im Wege, und beiläufiges Mitlesen kann beim Hören nicht schaden.
Aber das ist kein Makel, sondern Teil der Anregung, Bach neu zu hören und ebenso Telemann. Bei Bach ist uns manches allzu vertraut, so sicher haben wir es uns in seiner Musiksprache eingerichtet und auch in dem Widerspruch, dass der in seiner Wirkung wohl weltumfassendste Komponist in seiner Vokalmusik ein sehr idiomatisches barockes Deutsch für orthodox lutherische Inhalte verwendet. Besonders in «Ich habe genug» (BWV 82) tut es nun gut, eine Stimme mit einer Biografie außerhalb der Oratorienlandschaft zu hören, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Volker Hagedorn
Den Goethe-Liedern von Schubert (August 2015) lässt der Tenor Mauro Peter knapp ein Jahr später ein veritables Schumann-Album folgen. Zwar gibt auf dem Cover der bedeutende Heine-Zyklus «Dichterliebe» op. 48 den Ton an, doch bilden die folgenden ausgewählten Gesänge (neben den Fünf Liedern op. 40 weitere zehn Heine-Vertonungen) mehr als bloß Beiwerk. Und dies nicht...
Schon der Trabi, der vor der giftgrünen Waldkulisse parkt, sorgt für Heiterkeit. Als ein riesenhafter Wiedergänger des Sandmännchens, das hier den Erzähler gibt, auf die vorn ausgerollte Kunstwiese wackelt, erfasst das kichernde Entzücken den ganzen Saal. Jirí Nekvasil lässt Orffs «Mond» auf der großen Bühne des Prager Nationaltheaters eine DDR-Kulturlandschaft...
Secco-Rezitative? Frauen in Hosenrollen? Im Neapel des frühen 19. Jahrhunderts galt das schon als altmodisch, jedenfalls an den kleineren Theatern. Man zog den Mezzos hohe Tenöre vor, an die Stelle der Rezitative traten gesprochene Dialoge – wie im Singspiel oder der Opéra comique, bloß im neapolitanischen Dialekt. Für die Premiere von «Olivo e Pasquale» 1827...
