BLICK IN EINE ANDERE WELT
Über das Leben Jan Vermeers ist relativ wenig bekannt, die Spuren seiner Biografie verlieren sich im Dunkel. Seine Bildsprache hingegen kennen wir. Rund 35 Gemälde des Delfter Barockmalers sind überliefert, darunter auch das vermutlich populärste – «Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge». Als Inspirationsquelle diente Vermeer bereits seinem Landsmann, dem niederländischen Komponisten Louis Andriessen: Für dessen 1999 uraufgeführte Oper «Writing for Vermeer» auf ein Libretto von Peter Greenaway benutzte Andriessen mehrere von Vermeers Gemälden als Vorlage.
Für den Komponisten Stefan Wirth ist der Maler in seiner neuen Oper «Girl with a Pearl Earring» eine Blackbox (der Maler verwendete eine solche in Form der Camera obscura zur Konstruktion seiner Bilder). In eben diese lässt er das Modell seines Gemäldes, die Dienstmagd Griet, in einer Szene hineinschauen; es soll sich ihr ein anderer Blick auf die Welt offenbaren. Wir sehen allerdings nicht, was genau Griet dort erblickt. Aber wir können es hören: Wirth schichtet einen gewaltigen, changierenden Akkordblock mit eigentümlichem Effekt zwischen Klangrausch und -rauschen zu einem beängstigenden Überwältigungsmoment.
«Girl with a Pearl ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Panorama, Seite 65
von Bernd Künzig
Am Ende, als die Buhrufe über Calixto Bieito niedergingen wie ein Platzregen, formte der spanische Regisseur mit den Händen ein Herz in Richtung seiner Kritiker, so als wolle er sagen: Das ist doch die Oper der alle Grenzen überschreitenden Liebe: Wagners «Tristan und Isolde». Direktor Bogdan Roščić hat dem Staatsopernpublikum, das bei Neuinszenierungen generell...
Fangen wir mit der guten Nachricht an: Die Welt der Oper lebt. Und die «Opernwelt» ebenfalls. Die aktuelle Ausgabe ist die Nummer 750 – zureichender Grund, um den regen Austausch zwischen der musiktheatralen Kunst und der (möglichst kunstvollen) Kunst-betrachtung zu feiern. Da dieser Diskurs auch in unserem «Geschäft» alles ist, haben wir einige Intendantinnen und...
Und was ist denn die Kunst? Sie gleicht den schönen blauen flackernden Flammen, die zuweilen über dem Herd sich erheben, alles Übrige aber ist Zerstörung, Vernichtung. Dass sie bildend leuchten soll während einer tatenreichen Zeit, das ist freilich der Traum.» Betroffen vernimmt man diese Sätze, die Richard Wagner zu seiner Frau Cosima am 21. Dezember 1870 gesagt...
