Black Comedy

Stuttgart, Lortzing: Der Wildschütz

«Wir sind sehr froh», lautet der ironische Slogan, mit dem Nigel Lowery Akteure wie Zuschauer ins böse Spiel stolpern ließ, das er bei seiner Stuttgarter Neu­insze­nierung aus Albert Lortzings komischer Oper herauskitzelte. Das Premierenpublikum war am Ende, dem unwidersprochen heftigen Beifall nach zu schlie­ßen, glücklich – die Akteure auf der Bühne, alle Gefoppte, ja Verletzte in einem Spiel um Sex und Geld, bei dem jeder jeden zu hintergehen sucht, machten immerhin gute Miene und schoben ihr Einverständnis dem lieben Gott in die Schuhe.

«Der Wildschütz» ist zwar kein Welttheater wie Verdis «Falstaff», aber auch keinesfalls das biedere Stück, das man stets in ihm sehen wollte. Dafür sorgt schon Lortzings fein ziselierte, durchgefeilte, rhyth­misch höchst artikulierte Musik, die hörbar (und gekonnt) an Mozarts «Figaro» und Rossinis «Barbier» Maß nimmt. Lowery, Regisseur und Bühnenbildner in Personalunion, versetzt die Handlung in die Gegenwart – den ersten Akt mit seiner verordneten Fröhlichkeit in eine fernöstlich angehauchte Zwergdiktatur, den zweiten in ein imaginäres Theater auf dem Theater und den dritten ins poppig knallbunte Amüsierviertel einer Groß­stadt. Das hatte Witz ...

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Opernwelt Mai 2005
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Uwe Schweikert

Vergriffen
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