Black Comedy
«Wir sind sehr froh», lautet der ironische Slogan, mit dem Nigel Lowery Akteure wie Zuschauer ins böse Spiel stolpern ließ, das er bei seiner Stuttgarter Neuinszenierung aus Albert Lortzings komischer Oper herauskitzelte. Das Premierenpublikum war am Ende, dem unwidersprochen heftigen Beifall nach zu schließen, glücklich – die Akteure auf der Bühne, alle Gefoppte, ja Verletzte in einem Spiel um Sex und Geld, bei dem jeder jeden zu hintergehen sucht, machten immerhin gute Miene und schoben ihr Einverständnis dem lieben Gott in die Schuhe.
«Der Wildschütz» ist zwar kein Welttheater wie Verdis «Falstaff», aber auch keinesfalls das biedere Stück, das man stets in ihm sehen wollte. Dafür sorgt schon Lortzings fein ziselierte, durchgefeilte, rhythmisch höchst artikulierte Musik, die hörbar (und gekonnt) an Mozarts «Figaro» und Rossinis «Barbier» Maß nimmt. Lowery, Regisseur und Bühnenbildner in Personalunion, versetzt die Handlung in die Gegenwart – den ersten Akt mit seiner verordneten Fröhlichkeit in eine fernöstlich angehauchte Zwergdiktatur, den zweiten in ein imaginäres Theater auf dem Theater und den dritten ins poppig knallbunte Amüsierviertel einer Großstadt. Das hatte Witz ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die so genannte «Literaturoper» hat bekanntlich nicht den besten Ruf. Zwar bleibt der Bedeutungsumfang des viel gebrauchten Begriffs meist im Ungefähren: Taucht das Phänomen der Adaption etablierter literarischer Sujets erst mit Debussys «Pelléas et Mélisande» und Strauss’ «Salome» auf oder fallen, um nur ein früheres Beispiel zu nennen, schon Verdis «frei»...
Klänge um uns herum, Worte, live und vom Band, Bilder. Aktion, steil treppauf im Basler Foyer, auf den beiden Galerien, auf dem Flügel, mit klaustrophobischem Charakter in der gläsernen Drehtür und auch draußen, auf dem Theaterplatz, unter Assistenz eines Gabelstaplers mit Aufblendlicht. Und wir mittendrin, pausenlose einundneunzig Minuten und neun Sekunden...
Köln hat einen neuen «Idomeneo» zum Hören. Weniger einen zum Hinsehen. Das hat zwei Gründe: Erstens ist Mozarts Oper ohnehin schwierig zu inszenieren; zweitens fällt Christoph Nel und seinem Bühnenbildner Jens Kilian nichts Nachhaltiges dazu ein, wie erstgenanntem Übel abzuhelfen wäre. Die Bühne auf der Bühne im ersten Akt klärt zwar die Fronten zwischen einer...
