Bittersüßer Reigen
Manchmal ist das Ferne ganz nah. Fährt direkt unter die Haut, bis wir nicht ein noch aus wissen. Bis wir zu fragen vergessen, warum uns eine mehr schlecht als recht erzählte Geschichte aus dem 19. Jahrhundert den Atem stocken lässt.
Eine Geschichte, die auf einer Insel im Indischen Ozean spielt (Ceylon) – mit einem von geistergläubigem Volk auserwählten König (Zurga), der unerwartet seinen verlorenen Busenfreund wiedertrifft, einen Fischer (Nadir); mit einer Schönheit, die einst von beiden umschwärmt wurde und nun dem Hindu-Gott Brahma ewige Treue schwört (Léïla); und mit einem Großpriester, der von jedem Blutzoll fordert, der die heiligen Gesetze bricht (Nourabad). Ein abenteuerlicher Schmarren. Und doch: Am Ende reiben wir uns ergriffen die Augen – verblüfft, überwältigt und noch immer rätselnd, warum dieses holprige, vor allem wegen seiner herrlichen Wunschkonzertnummern gern ins Programm gerückte Dreiecksdrama in den Tropen plötzlich packt, ja absolut schlüssig wirkt.
Vielleicht hat das mit der liebevollen, scheinbar naiven Sympathie zu tun, die Marie Vinck, Stef Aerts, Thomas Verstraeten und Joé Agemans, die vier Mitglieder der seit zehn Jahren aktiven ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Albrecht Thiemann
Zwei Tage noch bis zum heiligen Fest, und was macht der Himmel über Chemnitz? Er weint: dickkugelige Tränen. Kein Wunder, dass die Trottoirs verwaist sind; nur einige Versprengte eilen mit glühweingeröteten Wangen vorüber. Auch auf dem Theaterplatz ist jetzt, um zehn Uhr abends, keiner mehr, mit dem man man reden könnte. Ringsherum nur dickes Gemäuer, wie in...
Gut möglich, dass sie sich dieses erste Bild bei Penny Woolcocks für die ENO in London und die New Yorker Met entwickelte Inszenierung der «Perlenfischer» abgeschaut haben. In Gelsenkirchen kommt es eine Nummer kleiner, aber ähnlich suggestiv. Wir sehen, als wäre das Musiktheater im Revier ein Aquarium, einen Taucher ins tiefe Blau hinabdringen; zusammen mit...
Der Mond leuchtet über Illyrien. Zwar nur mattglänzend, aber doch hell genug, um eine Prise surrealer Schönheit auf die Szene zu streuen. Was auch dringend geboten erscheint: Ehedem ein Eiland der Glückseligen, Zauberer und Fantasten, ist der magische Ort arg heruntergekommen: keine Palmen, keine rauschenden Wellen, keine sanften Dünen, nichts davon. Dafür ein...
