Perfekte Schnurre

Smetana: Die verkaufte Braut
München | Staatsoper

Gute Komödien sind komplexe Kunstwerke. Sie provozieren bitterböses wie befreiendes Lachen, entlocken uns ein Schmunzeln und stimmen doch nachdenklich. «Die verkaufte Braut» ist so eine gute, weil kluge Komödie. Parallel zu den «Meistersingern von Nürnberg» entstanden, avancierte Smetanas Singspiel schnell zur tschechischen Nationaloper, wurde wie Wagners doppelbödiges Opus folkloristisch-nationalistisch vereinnahmt und ging gleichwohl in den Kanon europäisch rezipierter Zentralwerke ein.

David Bösch, der in München zuletzt eben diese «Meistersinger» in Szene setzte, bekennt sich mit einem großen Augenzwinkern zum böhmischen Dorfduft des Stücks. Ein riesiger Haufen dampfender Heuballen bestimmt das Einheitsbühnenbild, am linken Portal steht ein Plumpsklo, und ein echtes Schwein namens Willi, langbeiniger weiblicher Star eines bayerischen Filmtierhofs, dient dem tumben Stotterer Wenzel als tierischer Begleiter. Das pralle Landleben wird vom prachtvoll singenden Chor der Staatsoper gar deftig dargestellt. Marie, die gern Traktor fährt, füllt höchstselbst die Maßkrüge der Menge – so viel Nähe zwischen Böhmen und Bayern muss erlaubt sein. Und zwar per Schlauch aus jenem Odelfass, aus ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Vive la fatalité!

Wie soll man dem fortschreitenden Irrsinn im gegenwärtigen Weltgeschehen mit musiktheatralischen Mitteln beikommen? Mit hochdepressiven Stücken wie, sagen wir,  Janáčeks «Totenhaus» oder Dallapiccolas «Prigioniero»? Es gibt eine viel wirkungsvollere Methode, denn, ach ja, da war doch mal ein Komponist, der in ähnlich krisengeschwängerter Zeit mit Witz und Aberwitz...

Fröhlicher Flaneur

Diese Leichtigkeit. Sie war eine Gabe, ein Geschenk. Und eine Haltung, die seinen Blick auf die Welt zeitlebens prägte. Hans-Klaus Jungheinrich war ein unstillbar neugieriger, unbestechlicher, blitzgescheiter Beobachter, der in beneidenswert flüssiger Anschaulichkeit beschrieb, was er sah, hörte, erlebte. Auch wenn die Musik das Gravitationszentrum seiner...

Was kommt... Februar 2019

Beat Furrer
Fünf Menschen, von der Welt abgeschieden. Die Zeit steht still. Wie das klingt? Eine Antwort gibt das neue Stück des Siemens-Musikpreisträgers Beat Furrer an der Berliner Staatsoper: «Violetter Schnee». Matthias Pintscher dirigiert, Regie führt Claus Guth. Außerdem im Haus Unter den Linden: «Kopernikus» von Claude Vivier und eine Kreation mit der...