Prekär
Aki Kaurismäkis Kultfilm «Das Leben der Bohème» hat offenbar einen Paradigmenwechsel in der Opernregie eingeleitet. Heute wird Puccinis Adaption des Romans von Henri Murger jedenfalls vorwiegend in modernen Kostümen gespielt. Sängerische Schwergewichte wie Luciano Pavarotti und Montserrat Caballé in historischem Outfit würden wohl kaum noch Furore machen. Authentizität heißt jetzt das erste Regiegebot, dafür nimmt man auch geringere Stimmkaliber in Kauf.
Im Falle von «La Bohème» schafft die Aktualisierung der Handlung keine Probleme, denn die prekäre Existenz von Künstlern, die sich fallweise in Wohngemeinschaften zusammenfinden, ist immer noch ein Thema.
In einer Produktion aus Malmö ist die optische Modernisierung weitgehend gelungen, wobei hier das fast surreale Bühnenbild von Leslie Travers den früher üblichen szenischen Illusionismus suspendiert. Die Bohèmiens hausen in einem engen Wolkenkuckucksheim unter freiem Himmel, das Café Momus wird durch hin und her fahrende Sitzecken manifest, Mimìs Tod findet nicht in der Mansarde, sondern auf der Straße statt. Die Inszenierung der Irin Orpha Phelan hält die Sängerdarsteller zu natürlichem Agieren an. Gesungen wird in allen ...
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Wer hat Lenski auf dem Gewissen? Eigentlich eine Frage, die man gar nicht stellen muss. Sowohl aus der Puschkin-Vorlage als auch aus Tschaikowskys Oper geht schließlich klar hervor, dass Onegin ihn getötet hat. Warum aber fordert Lenski seinen besten Freund überhaupt zum Duell? Sicher nicht, weil er ernsthaft befürchtet, Onegin könnte ihm die Verlobte ausspannen....
Ein Gespenst geht um in Europa: die Frage, «Wer gehört zu uns?» Neuerdings geht es nicht nur um den Islam; sondern auch um Russland, zumindest das Putins. So wird, von beiden Seiten, bezweifelt, ob es mit Vorstellungen eines demokratisch-liberalen Europa noch kompatibel sei. Aber schon der ältere Buchtitel «Spanien und Europa» deutete immerhin an, dass die Einheit...
«Wählt der Herr einen heil’gen Stoff?» Das fragen die Meistersinger von Nürnberg ihren Vorsingkandidaten Walther von Stolzing, wobei die Antwort, jedenfalls aus Sicht der Meister, etwas diffus ausfällt: «Was heilig mir, der Liebe Panier schwing ich und sing ich.»
Auch Bejun Mehta schwingt auf seinem neuen Album «Cantata – yet can I hear ...» solcherart zwischen...
