Editorial Juli 2018

Das Lamento ist beinahe so alt wie die Kunstform selbst. Die Oper, heißt es, sei auf dem besten Wege, sich selbst abzuschaffen. Verstaubt, verzopft, verkrustet, zu sehr dem Kanon weniger Werke verhaftet. Diese Diagnose stellt neuerlich auch der Musikwissenschaftler Jörn Peter Hiekel in dem gemeinsam mit David Roesner herausgegebenen Buch «Gegenwart und Zukunft des Musiktheaters» (Transcript Verlag). Die Kritik richtet sich dezidiert gegen die bundesdeutschen Staats- und Stadttheater.

Die dort gepflegte Opernkultur biete «im Übermaß Beispiele für die Wirkungsmacht einer auf große und stabile Lösungen fixierten Repräsentationskultur», kurzum: einer Kultur der «Mutlosigkeit und Repertoireenge».

An der These mag etwas dran sein. Doch als allgemeingültiger Befund ist sie kaum belastbar. Weil sie bei Sichtung der Spielpläne den Fokus allein auf das – nicht zuletzt für die Kasse notwendige – Kernrepertoire legt. Natürlich stimmt es, dass Spielpläne manchmal vor allem mit dem Ziel aufgestellt werden, größtmögliche Aufmerksamkeit zu erregen – und die garantieren nun mal eher prominente Sängernamen und hinlänglich populäre Werke als Uraufführungen oder Ausgrabungen. Ja, der Kanon ist ...

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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten & Albrecht Thiemann

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