Bewegte, klingende Stille
Ob er den Roman kennt? Es steht zu vermuten. Dessen Protagonist John Franklin liegt ihm nahe, dieser seltsame Polarforscher, der sich von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen lässt und schließlich genau dadurch zum Ziel gelangt. Sten Nadolnys fiktive Geschichte dieses Mannes wurde unter dem Titel «Die Entdeckung der Langsamkeit» 1983 zu einem Bestseller, vermutlich gerade deswegen, weil etwa in dieser Zeit jener technizistische Wahn anfing, dessen zweifelhafte Resultate wir heute bestaunen dürfen.
Christoph Marthaler hat sich davon nie beeindrucken, geschweige denn einschüchtern lassen. Er hatte die Langsamkeit schon entdeckt, als andere noch glaubten, darin ein Defizit sehen zu müssen. Und er ist ihr, als ästhetische Erscheinung, bis heute treu geblieben. Als ein Beleg mag sein Mahler-Abend «Die Unruhenden» an der Hamburgischen Staatsoper zu Beginn des Jahres gelten. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass all das, was die Protagonistinnen und Protagonisten dort auf der Bühne «veranstalteten», noch gemütlicher, behäbiger, stockender vor sich ging als sonst. Und dadurch irgendwie noch intensiver.
Jeder Satz, jede Geste, jede mimische, körperliche Aktion wurde in Mega-Zeitlupe ...
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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Magazin, Seite 99
von Jürgen Otten
Manchmal wird er sogar zum Polizisten. Als vor dem Parkhaus ein kleines Chaos entsteht, ein verwirrter Besucher sein Auto die Einbahnstraße in verkehrter Richtung den Berg hinauf steuert, da greift Fußgänger Jonas Kaufmann ein: Falsch, geht nicht, bitte umdrehen! Der Mann am Steuer ist sichtlich verdutzt – den Star hat er nicht erwartet. Dräut da ein mögliches...
Man will dem romantischen Dichter Adelbert von Chamisso ja nicht zu nahe treten, doch was er mit seinem Gedichtzyklus «Frauenliebe und -leben» im Sinn führte, will sich beim besten Willen nicht in das moderne Konzept einer heteronorma -tiven Beziehung zwängen lassen. Schon die ersten Verse erzeugen ein veritables Stirnrunzeln: «Seit ich ihn gesehen / Glaub’ ich...
Neugierig
Sein Weg hätte auch ganz anders aussehen können. In Yale studierte Ted Huffman einige Jahre lang Geisteswissenschaften, bevor er sich dem Musiktheater zuwandte. Längst zählt der Regisseur zu den Großen der Zunft, vor allem seine Arbeiten in Aix-en-Provence wurden zu Recht hochgelobt. Inzwischen ist er dort Intendant, was den Künstler mit Wohnsitz London...
