Glückliche Tage
Manchmal wird er sogar zum Polizisten. Als vor dem Parkhaus ein kleines Chaos entsteht, ein verwirrter Besucher sein Auto die Einbahnstraße in verkehrter Richtung den Berg hinauf steuert, da greift Fußgänger Jonas Kaufmann ein: Falsch, geht nicht, bitte umdrehen! Der Mann am Steuer ist sichtlich verdutzt – den Star hat er nicht erwartet.
Dräut da ein mögliches drittes Karrierestandbein als Ordnungshüter? Vorerst bleibt es bei Nummer eins (obwohl er in Erl diesen Sommer keinen Ton gesungen hat) und Nummer zwei – als Intendant ist der Tenor bei seinen Tiroler Festspielen fast ständig präsent.
Es ist Kaufmanns zweiter Festival-Sommer. Und langsam schält sich heraus: Was oberflächlich als Kraut-und-Rüben-Programm erscheint, als Schweinsbraten mit Vanillesoße, ist glatte Absicht, wenn auch eher finanzpolitisch gedacht. Konzertante Oper in Star-Besetzung (dieses Mal eine «Carmen» mit Aigul Akhmetshina in der Titelpartie), die schräg-zünftigen Abende der Brass-Band Franui, vor allem aber Wagner im Passionsspielhaus finanzieren Ambitioniertes mit, will sagen: Lockstoffe, um das Publikum auf ungewohnte Wege zu bugsieren. Und manchmal hilft, wie beim Doppelabend zu Beginn der diesjährigen ...
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Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Markus Thiel
Die Frage, was Musik ist, in ihrer klanglichen wie semantischen und semiotischen Bedeutung, hat nicht nur etliche Komponisten und nachschöpferische Interpreten immer wieder beschäftigt, sondern im besonderen Maß (und mit besonderem Blick auf die geheimnisvolle Aura dieser Kunstform) auch jene (Musik-)Philosophen, denen sie am Herzen lag. Die vielleicht konziseste...
Während der 1960er- und 1970er-Jahre wurde in der Bundesrepublik Deutschland die Kunstform Oper von ihren Fundamentalkritikern als zu lebensfern und teuer gebrandmarkt. Reaktionär, schon gar nicht gesellschaftsrelevant und den freien Künstlerinnen und Künstlern die Subventionen stehlend sei das Ganze – so lautete die Dauerkritik aus der politisch linken, respektive...
Im norwegischen Örtchen Os haben sie, was man braucht (so sagte es Leonard Bernstein, und der musste es wissen), um etwas Großes zu schaffen: einen Plan und zu wenig Zeit. Dazu reichlich Talent und eine traumhafte Fjordlandschaft. Mit diesen Zutaten hat Eivind Gullberg Jensen, Intendant und Chefdirigent der Nasjonale Opera im nahe gelegenen Bergen, eine Akademie...
