Glückliche Tage
Manchmal wird er sogar zum Polizisten. Als vor dem Parkhaus ein kleines Chaos entsteht, ein verwirrter Besucher sein Auto die Einbahnstraße in verkehrter Richtung den Berg hinauf steuert, da greift Fußgänger Jonas Kaufmann ein: Falsch, geht nicht, bitte umdrehen! Der Mann am Steuer ist sichtlich verdutzt – den Star hat er nicht erwartet.
Dräut da ein mögliches drittes Karrierestandbein als Ordnungshüter? Vorerst bleibt es bei Nummer eins (obwohl er in Erl diesen Sommer keinen Ton gesungen hat) und Nummer zwei – als Intendant ist der Tenor bei seinen Tiroler Festspielen fast ständig präsent.
Es ist Kaufmanns zweiter Festival-Sommer. Und langsam schält sich heraus: Was oberflächlich als Kraut-und-Rüben-Programm erscheint, als Schweinsbraten mit Vanillesoße, ist glatte Absicht, wenn auch eher finanzpolitisch gedacht. Konzertante Oper in Star-Besetzung (dieses Mal eine «Carmen» mit Aigul Akhmetshina in der Titelpartie), die schräg-zünftigen Abende der Brass-Band Franui, vor allem aber Wagner im Passionsspielhaus finanzieren Ambitioniertes mit, will sagen: Lockstoffe, um das Publikum auf ungewohnte Wege zu bugsieren. Und manchmal hilft, wie beim Doppelabend zu Beginn der diesjährigen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Markus Thiel
Man hört es und muss an Rilke denken: «Das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang» – so steht es geschrieben in der «Ersten Duineser Elegie». Auch die Übermacht der Liebe vermag diesen Umschlag zu bewerkstelligen, vor allem dann, wenn sich Amor, der dafür zuständige Gott, einmischt und die Herzen bricht. Genau so geschieht es auch in der Kantate «Crudel...
Frau Marciniak, was fällt Ihnen leichter – an Gott zu glauben oder an die Ideale der Französischen Revolution?
Oh, was für eine Frage! (überlegt eine Weile) Ich denke, beide Ideen sind verlockend, da es eine menschliche Notwendigkeit gibt, an irgendetwas zu glauben. Der Gottesglaube hilft uns, gewisse Dinge unserer Existenz besser zu akzeptieren. Und die Ideale...
Es könnte ein Bild für die Götter sein – wie sie da so sitzt auf einer Parkbank an der Frankfurter Allee, neben sich eine Tragetasche, und in den Himmel über Berlin blinzelt, leicht versonnen, gedankenversunken, nachdenklich, so ganz anders eben, als man sie von der Bühne her kennt. Aber es ist dieselbe Frau, dieselbe Künstlerin, nur eben abseits des Rampenlichts....
