Wirkung ohne Ursache
Dem Typus des egomanischen, seine Ziele passioniert und rücksichtslos verfolgenden Künstlers begegnen wir in Erinnerungen des Benvenuto Cellini ebenso wie in den Memoiren von Hector Berlioz. Beide, das Renaissance-Genie und der romantische Künstler, bewunderten die Meister der Vergangenheit, beide kämpften um neue Methoden und Formen.
In Cellinis Bericht über den Guss der Perseus-Statue gipfeln die Memoiren, so wie die Oper von Berlioz ihren Höhepunkt erreicht, wenn Cellini alle seine Werke um des einen Meisterwerkes willen – die berühmte Perseus-Statue, die seit dem Jahr 2000 wieder in der Florentiner Loggia di Lanzi zu bewundern ist – in den Schmelzofen werfen lässt.
Als der Komponist sich vierzehn Jahre nach der missglückten Uraufführung seines «Benvenuto Cellini» dem alle Normen sprengenden Werk erneut zuwandte, schrieb er: «Ich habe gerade meine arme Partitur sorgfältig und mit größter Unparteilichkeit wieder gelesen und komme nicht um die Feststellung herum, dass sie eine Vielfalt von Ideen enthält, eine Vitalität und einen Schwung und vor allem eine Brillanz musikalischer Farben, die ich wohl nie wieder erreichen werde». Im Verlauf der Aufführungs- oder besser: der ...
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Schon während der Aufführung hätte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können. Als sich am Ende, nach knapp zwei Stunden, die Bühnenrampen zu beiden Seiten des rund umlaufenden Podests in der aufgelassenen Gebläsehalle des Duisburger Industrieparks senkten und, bei langsam verlöschendem Licht, alle Mitwirkenden wie in einen schwarzen Sarkophag...
Alptraum oder Traum im antiken Athen? Auf dass der Nachschub an Kriegern funktioniere, sollte «mann» in jedem Fall zwei Frauen heiraten. Das zumindest behaupten – historisch wohl nicht ganz korrekt – Georg Philipp Telemann und sein Librettist Johann Ulrich König in ihrer 1721 in Hamburg uraufgeführten Oper «Der geduldige Sokrates». Also muss der Philosoph nicht...
Die Vorbereitung beginnt im Booklet. Bevor man Jacobs’ «Don Giovanni»-Einspielung hört, sollte man sein fiktives Gespräch mit sich selbst lesen. Dort rechnet er mit den romantischen Mythisierungen ab, denen diese Oper seit E. T. A. Hoffmann ausgesetzt war, er setzt sich mit Tempofragen auseinander und hilft, die Figuren zu charakterisieren. Außerdem erklärt er,...
