Händel in Pastell

Ian Bostridge zeichnet den Lebensbogen des Hallenser Meisters nach

Opernwelt - Logo

Ist das der gleiche Ian Bostridge, der uns mit einer nervösen, gelegentlich fast hysterischen, gellend an den Rand der Verzweiflung getriebenen Interpretation der Schubert’schen «Winterreise» aufgerüttelt hat? Der singende Schmerzensmann, der in Schuberts Müller- und Wanderburschen den existenzialistischen Menschen unserer Zeit meint, krank an Herz, Seele und Umwelt?
Sicher, die Romantik nach Beethoven, von dem man sagt, er habe die Erkenntnis von Gut und Böse in die Musik eingeführt, hat die menschliche Psyche anders gezeichnet als Händels barocke Klassik.

Doch längst vorbei die Zeit, da man – wie der Wiener Kritiker und Schriftsteller Hans Weigel – von jener Epoche als einer «der gleich schwebenden Harmonie in der Musik» sprach, dem «verlorenen Paradies vor dem Ausbruch der Pubertät» im «unschuldsvollen Stand wahrer Absolutheit», deren «Wesen Wohlklang und Schönheit» gewesen sei. Längst suchte man etwa Händels vielschich­tigen, ja gebrochenen Figuren durchaus mit moderner Psychoanalyse beizukommen, ein gefundenes Fressen für Bostridge, möchte man glauben.
Im Booklet äußert sich der Künstler auf seine gewohnt kluge Art über die Dramaturgie seines Recitals (ein punktuelles ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2007
Rubrik: CDs, Seite 51
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Puccini: Tosca

Das Spannendste an der neuen Wiesbadener «Tosca» ist das hochkonzentriert, klangschön und dicht musizierende Orchester, dem  Chefdirigent Marc Piollet aufschlussreiche Partiturdetails entlockt. Neues Licht fällt auf ganze Szenen durch höhnisch glucksende Klarinetten hier, gefährlich drohende Cello-Soli dort, und das strenge Metrum der Schluss-Chaconne in der...

Im Blaubartzimmer der Seelen

Claude Debussys einzige Oper gehört mehr als hundert Jahre nach ihrer Entstehung noch immer zu den großen Herausforderungen des Musiktheaters. Jossi Wieler und Sergio Morabito haben in ihrer zuletzt in Stuttgart gezeigten Inszenierung (siehe OW 6/2007) das am «Kreuzungspunkt von alltäglicher Rede und depressivem Schweigen» (Julia Kris­teva) an­gesiedelte Stück...

Puccini: Turandot

Die Sklavin Liú hat sich geopfert, der Vorhang geht zu. Das Finale der Oper «Turandot» hat Puccini nicht mehr komponiert, der Krebs war schneller. Ping, Pang und Pong, die drei Minister aus Turandots Reich diskutieren am Orches­tergraben. Auf Italienisch mit Übertiteln. Soll jetzt Schluss sein? Oder einer der Schlüsse gespielt werden, die Franco Alfano und Luciano...