Schier überwältigend
Das Experiment war einmalig. So zumindest empfand es der Dichter Hugo von Hofmannsthal nach einem äußerst spannungsreichen Entstehungsprozess, der beinahe zu einem Zerwürfnis zwischen ihm und dem Komponisten Richard Strauss geführt hätte. Am Ende aber stand ein überaus komplexes Meisterwerk – «Ariadne auf Naxos». David Hermann hat es nun in Dresden (nach einem ersten Anlauf in Nancy) subtil, mit viel Liebe zum Detail, ganz aus dem Geist des Textes und der Musik inszeniert.
Das Schöne daran: Sogar das Publikum wird, kaum merklich, Teil der Regiearbeit.
Denn die Semperoper selbst verwandelt sich in jenes vornehme Haus, in dem die musikalische Tragödie eines jungen Komponisten mit dem Titel «Ariadne auf Naxos» aufgeführt werden soll. Darauf deutet eine szenische Installation im Foyer des ersten Rangs, eine Art tableau vivant. Während ein feiner Herr im Kreis seiner Familie diniert (alle Figuren bewegen sich dabei wie in Zeitlupe), spielen drei Musiker der Sächsischen Staatskapelle erlesene Rokokomusik dazu. Wenn später, auf der großen Bühne, ein Lakai dem Komponisten erklärt, warum die verlangten «Geigen» nicht kommen konnten, zeigt sich die Schlüssigkeit dieses Entrées. Die ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Ana Popescu
Uraufführung
Seit beinahe 15 Jahren sind sie ein Gespann: der Komponist Johannes Maria Staud und der Dichter Durs Grünbein. Für zwei Opern und ein Monodram haben sie ihre kreativen Köpfe zusammengesteckt. Die Wiener Staatsoper zeigt jetzt ihr neues Werk: das Musiktheater «Die Weiden» nach der gleichnamigen fantastischen Geschichte des britischen Autors Algernon...
Am Anfang war der Kuss. Innig umschlungen stehen eine Frau und ein Mann in der Bühnenmitte, liebkosen sich mit der Zärtlichkeit des ersten Mals und wollen selbst dann nicht voneinander lassen, als das aus dem Raunen der Kontrabässe sich entwickelnde, initiale Es-Dur anschwillt zum Wagner’schen Klangstrom, der vom Werden der Welt kündet. «Weia! Waga! Woge du Welle»...
Die Herren kennen einander. Natürlich nicht persönlich, Franz Schubert starb bekanntlich 1828, als Ian Bostridges Vorfahren noch gar nicht wussten, dass sie dereinst einen namhaften Liedsänger in ihrer Familie haben würden. Als solcher ist Bostridge seit Langem international anerkannt, zumal auf dem Gebiet der Schubert-Exegese; nicht zuletzt sein Buch über den...
