Alles muss sich ändern
Herr Neef, sind Sie fantasiebegabt? Hätten Sie sich noch widrigere Begleitumstände für Ihren Amtsantritt ausmalen können?
Imagination zu besitzen, ist fast schon eine Überlebensbedingung in der gegenwärtigen Situation. Aber man kann sich nicht aussuchen, unter welchen Umständen man eine neue Arbeitsstelle antritt – zudem jeder Theaterleiter auf der Welt zurzeit dieselben Probleme hat. Das macht es womöglich leichter, als wenn nur die Pariser Nationaloper in der Krise steckte.
Sie waren seit Ende Juli 2019 Directeur délégué (beigeordneter Direktor) und hätten regulär am 1. August 2021 Directeur général werden sollen. Doch dann bat man Sie kurzfristig, schon elf Monate früher das Ruder zu übernehmen. Heißt das, das Ende Ihres Mandats wird entsprechend vorgezogen?
Das wüsste ich auch gern. Niemand konnte es mir bis jetzt sagen. Aber ich habe ja noch fünfeinhalb Jahre Zeit, um es herauszufinden.
Ihr Amtsvorgänger, Stéphane Lissner, hat am 1. April 2020, kurz nach Beginn des ersten Lockdowns in Frankreich und 16 Monate vor dem regulären Ende seines Mandats, das Amt des Superintendenten und künstlerischen Leiters des Teatro San Carlo in Neapel angetreten. Am 11. Juni erfuhren die ...
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Opernwelt Februar 2021
Rubrik: Focus Spezial, Seite 10
von Marc Zitzmann
War das jetzt schon (zumindest eine «neue») Normalität? Vor einer spärlich erschienenen Journalistenschar, auf Abstand gesetzt und mit Maske, verkündete das Direktorium der Salzburger Festspiele am 10. Dezember 2020 in der weiträumigen Felsenreitschule coram publico und nicht per Videoschaltung die Vorhaben für den kommenden Sommer. Man plant 168 Aufführungen in 46...
Ach, was war das für eine Szene: herrlich! Lang ist’s her, aber unvergessen. Ein Abend im Vorfrühling 1994, die Premiere von Brechts Lehrstück «Der gute Mensch von Sezuan» an der Berliner Volksbühne. Als der Vorhang hochging, sahen wir da nur ein einsames, auf einer Stange drapiertes Mikrofon. Und dann, eine gefühlte Ewigkeit später, stand die Schauspielerin...
Zuerst hört man nur das Geräusch von zwei Paar Schuhen. Dann tauchen Schatten an der Wand auf, ein Pianist und eine Sängerin treten ins Bild. Alles ist anders bei der 49. Ausgabe des Bundeswettbewerbs Gesang in diesem Corona-Jahr. Zuhörer und Unterstützer sind nicht zugelassen bei den Finalrunden, die im Foyer der Deutschen Oper Berlin stattfinden. Dennoch können...
